Europa zeichnet sich durch eine unglaubliche kulturelle Vielfalt aus, und zu dieser tragen auch die über 200 Sprachen bei, die auf dem Kontinent gesprochen werden. Dennoch gibt es viele Mundarten und Dialekte, die auch hier akut oder sogar unmittelbar vom Aussterben bedroht sind – weil es nur noch wenige Menschen gibt, die sie beherrschen. Die UNESCO widmet sich dieses Problems in ihrem “Weltatlas zu bedrohten Sprachen”, und auch das Humboldt-Forum in Berlin möchte dazu beitragen, diese bedrohten Sprachen zu erhalten.


Michael Dürr, Professor für Kulturanthropologie und Linguistik; sagt: “ Mit jeder Sprache eröffnen sich neue Perspektiven und Sichtweisen, deshalb wollen wir hier die Mehrsprachigkeit inszenieren.” Seine Vorstellung: Ein modernes “Edutainment-Zentrum”, das über Bücher, Tonträger und multimediale Anwendungen dem Besucher einen Zugang zu den verschiedenen europäischen Sprachen anbietet – alle Amtssprachen der EU zumindest. Die Einrichtung soll zukünftig im Stadtschloss beheimatet sein, das 2019 eröffnen wird. “Berlin definiert sich ja auch über Vielfalt”, so der Professor. “Wir wollen jetzt einen Dialog der Kulturen der Welt ermöglichen.”

GoEuro Gefährdete Sprachen in Europa

Flickr/ken fager

Einleitende Erklärung

Stark gefährdet: Die Sprache wird nur noch von den Großeltern oder noch älteren Generationen beherrscht, während die Elterngeneration diese zwar noch versteht, sie aber selbst nicht mehr aktiv an ihre Kinder weitergibt.

Unmittelbar gefährdet: Nur noch von den Großeltern oder noch älteren Generationen gesprochen, und selbst hier nur teilweise und bruchstückhaft

Diese Sprachen werden, noch, vor allem in den dünner besiedelten Gebieten Europas gesprochen. Im Kampf gegen ihr Aussterben könnte der Tourismus eine entscheidende Rolle spielen – er würde die lokale Wirtschaft ankurbeln und so helfen, dem Überlebenskampf der Dialekte neue Kraft zu verleihen.

Karte gefährdete Sprachen

Eine komplette Infografik der gefährdeten Sprachen findest Du hier.

Hier findest du eine Übersicht aller gefährdeten Sprachen:
Vereinigtes Königreich
Germanische Sprachen
Uralische Sprachen
Keltische Sprachen
Griechische Sprachen
Slavische Sprachen
Romanische Sprachen

Gefährdete Sprachen im Vereinigten Königreich

Die gefährdeten Sprachen im Vereinigten Königreich haben dank zahlreicher sozialer Bildungsprojekte in den letzten Jahren so etwas wie eine Renaissance erlebt, da ihr Weiterbestehen auch finanziell gefördert wurde. Auf der Isle of Wight beispielsweise lernen aktuell über 1000 Schüler den Dialekt bereits in der Grundschule, 100 studieren Manx bereits auf einem fortgeschrittenen Niveau. Das Wiederaufleben der Sprache Cornish datiert sogar zurück bis ins 19. Jahrhundert, als Schüler und Künstler begannen, den Dialekt in Liedern und Gedichten zu verwenden. 2009 änderte die UNESCO den Status von Cornish von “ausgestorben” zu “unmittelbar gefährdet – dennoch ein Erfolg für die Verfechter. Für die Dialekte Guernésias and Jèrriais gilt leider nicht das Selbe. Nur noch zwei Prozent der Bevölkerung der Inseln Guernsey und Jersey  sprechen sie, dabei gehen diese normannisch-französische Dialekte zurück bis ins Jahr 1000. Hoffnungsschimmer: Allein in London werden über 300 Sprachen gesprochen – vielleicht finden auch diese Mundarten hier ein zweites Zuhause.

Gefährdete Germanische Sprachen

Gottscheerisch; Töitschu; Saterfriesisch; Nordfriesisch; Siebenbürgisches Sächsisch; Wilmesaurisch

Gefährdete West-Germanische Sprachen

Gefährdete Sprachen

Bosco Gurin, Switzerland – Flickr: Irene Grassi

Töitschu, auch bekannt als Walser Deutsch, wird in den Walser-Siedlungen in der Schweiz, Italien, Liechtenstein und Österreich gesprochen. Der Dialekt gehört zur hochdeutschen Familie der Walsersprachen – der lokale Gruß “tschau” ist eine bemerkenswerte Überschneidung aus dem deutschen “Tschüss” und dem italienischen “Ciao”. Im italienischen Issime beispielsweise spricht noch ein Drittel der Bevölkerung diese Mundart. Um dort hinzugelangen, sollte man am besten einen Zug nach Pont-Saint-Martin nehmen und von dort aus mit dem Auto weiter reisen. Die Stadt ist eher klein, so das Transportmöglichkeiten limitiert sind.

  • Sprachbeispiel: Kartoffeln: trùffili
  • Anzahl der Sprecher: 200
  • UNESCO Status: stark gefährdet

Gefährdete Friesische Sprachen

Gefährdete Sprachen

Cloppenburg, Germany – Flickr: Allie Caulfield

Saterländisch

Saterländisch, auch Saterfriesisch, wird laut eine Studie von 2007 nur noch von 1000-2000 Menschen gesprochen. Der Dialekt ähnelt stark dem Nord- und auch Westfriesischen, wird aber heute nur noch von 1-2 Prozent der Einwohner der Region Saterland fließend gesprochen. Der Ort Ramsloh im Landkreis Cloppenburg ist laut Zensus-Erhebungen der Ort mit der höchsten Dichte an Sprechern. Um dort hinzugelangen, muss man einen Zug bis nach Cloppenburg nehmen, und anschließend den Bus S90, der stündlich bis nach Ramsloh fährt. Die kleine Gemeinschaft ist durchaus zäh und gibt sogar regelmäßig eine Online-Zeitung auf Saterländisch heraus.

  • Sprachbeispiel: Kalt: Koold/Tag: Dai
  • Anzahl der Sprecher: 1000
  • UNESCO Status: stark gefährdet

Nordfriesisch

Gefährdete Sprachen

Glückstadt, Germany – Flickr: fRandi-Shooters

Acht- bis zehntausend Menschen, vorwiegend in Schleswig-Holstein, sprechen heute noch Nordfriesisch. Der Ort Husum an der Nordsee beheimatet das Museum der Gesellschaft Nordfriesland, die danach strebt die gefährdete Srache zu erhalten. Von Hamburg kommt man mit der Bahn in weniger als zwei Stunden nach Husum, und auch mit dem Auto ist Husum gut erreichbar. Das “Nodfriisk Instituut” bietet beispielsweise Sprachkurse an, um Nordfriesisch zu erlernen.

  • Sprachbeispiel: nicht vorhanden
  • Anzahl der Sprecher: 10000
  • UNESCO Status: stark gefährdet

Gefährdete uralische Sprachen

Tersamisch, Pitesamisch, Umesamisch, Skoltsamisch, Südsamisch, Nordsamisch, Inarisamisch, Kiltsamisch, Kildensamisch, Lulesamisch, Votisch, Livisch, Wepsisch und Karelisch

Samische Sprachen

Gesprochen in Sápmi, dem nördlichsten Teil von Europa, der sich über Norwegen sowie Schweden und Finland bis zur Spitze der Kola-Halbinsel in Russland erstreckt. Die zehn samischen Sprachen werden in manchen Regionen als Miderheitensprachen anerkannt und sind unfassbar artenreich, so gibt es allein über 300 Wörter für Schnee, je nach Zustand. Da sich die Menschen, die diese Dialekte noch beherrschen, über vier Länder verteilen, werden ein paar der Mundarten tatsächlich nur noch von einer Handvoll Menschen aktiv gesprochen. Die Mehrheit der Menschen, die Umesamisch und Pitesamisch sprechen – zwei der am meisten gefährdeten samischen Sprachen – leben entlang des Fluss Ume in der Arjeplog-Region in Schweden. Über die Samen und ihre Kultur findet man zahlreiche Informationen im Netz.

  • Sprachbeispiel: Hallo: Bures! (Pitesamisch) und Buörrie Beäjvvie (Umesamisch)
  • Anzahl der Sprecher: unter 100 für Tersamisch, Pitesamisch und Umesamisch
  • UNESCO Status: unmittelbar gefährdet

Gefährdete finnische Sprachen

Votisch

Gefährdete Sprachen

Luga River, Russia – Wikimedia:Смок Вавельский

Nur noch in zwei Dörfern an der russischen Grenze zu Estland wird Votisch gesprochen, von etwa 20 Personen, womit es vor dem umittelbaren Aussterben steht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie als “Sprache der ungebildeten Dörfler” stigmatisiert und geriet daher in Verruf. So benutzten die Leute es bald sowohl in der Öffentlichkeit als auch Zuhause nicht mehr, da es auch als hinderlich angesehen wurde, wollte man seinen Kindern Russisch beibringen. Nur eine Schule landesweit hält heute das Votische am Leben und will es wieder salonfähig machen.

  • Sprachbeispiel: “Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?” e̮ma silmiz ed näe irttätŝi, a te̮izē silmɨz näed i pikkaraizē roitū.
  • Anzahl der Sprecher: 20
  • UNESCO Status: unmittelbar gefährdet

Livisch

Gefährdete Sprachen

Gulf of Riga, Latvia – Wikimedia: Orangeforrestmushrooms

Seit dem 13. Jahrhundert befindet sich die Livische Sprache eigentlich schon im Prozess des Aussterbens. An der Ostküste der Ostsee in der Bucht von Riga gelegen,hat die Regio Livland zahlreiche Kriege und Invasionen miterlebt, was immer mehr zur Marginalisierung der Sprache beitrug. Der letzte Mensch, der Livisch aktiv beherrschte, starb 2009, doch an einigen Universitäten in Lettland, Estland und Finland wird die Mundart weiterhin gelehrt.

  • Sprachbeispiel: Hallo: Tēriņtš | Danke: Tienū | Frohes neues Jahr! –Vȯndzist Ūdāigastõ!
  • Anzahl der Sprecher: Viktor Berthold, der letzte aktive Sprecher, starb 2009
  • UNESCO Status: unmittelbar gefährdet

Gefährdete keltische Sprachen

Manx, Kornisch und Bretonisch

Manx

Gefährdete Sprachen

Isle of Man, UK – Flickr: Brad Higham

Das Vereinigte Königreich beheimatet mit Manx und dem Kornischen zwei unmittelbar vom Aussterben bedrohte Sprachen. Von Liverpool aus verkehrt eine Fähre nach Douglas auf der Isle of Man, wo man im Manx Nationalerbe Museum die Kultur rund um die ausgestorbene Sprache kennen lernen kann. Der letzte “Muttersprachler” starb schon im Jahr 1974, doch mittlerweile unternehmen die Einheimischen diverse Bemühungen, um die Mundart wiederzubeleben: 50 Studenten habe sich für einen Manx-Schnupperkurs eingeschrieben, in dem sie mit der Sprache vertraut gemacht werden sollen.

  • Sprachbeispiel: Hallo: Hai/Wie geht es dir?: Kys t’ou/Isle of Man: Ellan Vannin
  • Anzahl der Sprecher: Der letzte Muttersprachler, Neil Maddrell, starb bereits 1974. Seitdem gibt es jedoch zahleiche Bemühungen in Schulen und Instituten, Manx wiederzubeleben.
  • UNESCO Status: unmittelbar gefährdet

Kornisch

In St Ives in Cornwall lebt die größte Kornisch-sprachige Gruppe von Menschen auf der ganzen Welt, wovon auch das St Ives Museum zeugt. Als traditionelle Sprache der Region stammt es ursprünglich noch aus einer Zeit, bevor sich das heutige Englisch entwickelte. In den letzten Jahrzehnten hat die eigentlich als ausgestorben geltende Sprache ein beachtliches Comeback hingelegt. So wird sie beispielsweise in der Literatur, in Filmen, Musik und auch umgangssprachlich wieder benutzt. Hier gibt es mehr Infos zur Sprache.

  • Sprachbeispiel: Hallo: Hou/Wie geht es dir?:Fatla genes
  • Anzahl der Sprecher: 574
  • UNESCO Status: Unmittelbar bedroht

Bretonisch

Gefährdete Sprachen

Brittany, France – Flickr: Florent Lannoy

Bretonisch, auch bekannt als Brezhoneg, wird in der Bretagne in Frankreich gesprochen, jedoch haben nur 8,5 Prozent der Bevölkerung dort wirklich profunde Kenntnisse der Mundart. Stärker als mit den romanischen Sprachen, die in Frankreich dominieren, ist es mit dem Gälischen verwandt. Das bretonische Wort für „Hallo“ ist „Dermant“ – klingt ziemlich anders als das französische „Bonjour“, oder? Noch vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs sprach die Hälfte der Bretonier mehr Bretonisch als Französisch – noch heute gibt es in der Region zweispachige Straßenschilder und sogar bilinguale Fernsehsendungen. Vom Vereinigten Königreich aus oder den Kanalinseln kann man eine Fähre dorthin nehmen, oder man besteigt in Paris den Zug nach Saint-Malo. Ein spezielles „Bretagne-Museum“ widmet eine eigene Ausstellung der bretonischen Sprache – dort kann man auch mehr erfahren.

  • Sprachbeispiel: Hallo: demant
  • Anzahl der Sprecher: 300 000
  • UNESCO Status: stark gefährdet

Gefährdete griechische und Turksprachen

Kappadokisch, Tsakonisch, Karamimisch, Nogai

Kappadokisch

Endangered Languages in Cappadocia

Cappadocia, Turkey – Flickr: Mr Hicks46

Griechenland ist die Heimat vieler Dialekte und Mundarten, die sich alle auf unterschiedliche Art und Weise entwickelt haben. Bis zu einer Völkerwanderung in den 1920er Jahren, die die Menschen zwang, nach Griechenland überzusiedeln, war Kappadokisch in der Türkei eine gängige Sprache – die Sprecher wechselten dann aber notgedrungen zum Griechischen, und so galt Kappadokisch jahrzehntelang als ausgestorben. Im Norden und den zentralen Regionen von Griechenland gibt es aber immer noch einige kappadokische Siedlungen, so auch in Kavala und Thessaloniki.

  • Sprachbeispiel: Der gute Mann:do kalon do andra/Die gute Frau: do kalon do neka/Das gute Kind: do kalon do pei
  • Anzahl der Sprecher: 300
  • UNESCO Status: unmittelbar gefährdet

Griechische Mundarten

Tsakonisch

Gefährdete Sprachen

Leonidio, Greece – Flickr: Jean-François Renaud

Oft nur als ein Dialekt des modernen Griechisch angesehen, sind die beiden Sprachen doch so unglaublich verschieden, dass sich Sprecher beider Seiten untereinander nicht verstehen würden. In einigen Bergdörfern auf dem östlichen Peloponnes wird noch Tsakonisch gesprochen, wenn auch nur von ein paar hundert Menschen. Leonidio, die “tsakonische Hauptstadt”, hat dennoch einen wachsenden Touristenansturm zu verzeichnen, was wohl vor allem der wunderschönen Landschaft und der atemberaubenden Architektur zu verdanken ist.

  • Sprachbeispiel: Wo ist der Strand? Ciá éñi to perigiálli?
  • Anzahl der Sprecher: 300
  • UNESCO Status: unmittelbar gefährdet

Turksprachen

Karaim

Gefährdete Sprachen

Trakai Castle, Lithuania – Flickr: mannewaar

Karaim, umgangssprachlich auch die “Sprache der Nomaden” oder “lashon kedar” genannt, gehört zu den westlichen Turksprachen – so wie übrigens auch Jiddisch – und wird in Teilen von Litauen, Polen und der Ukraine gesprochen. Obwohl nur noch wenige Menschen die Sprache aktiv beherrschen, hat sie dennoch gute Überlebenschancen. Nur eine halbe Stunde von der Haupstadt Vilnius entfernt liegt die litauische Stadt Trakai, wo die Mehrzahl der aktiven -Karaim-Sprecher lebt. Touristen, die die bezaubernde Insel-Burg dort besuchen, unterstützen so die Region. Beispiel gefällig? Hier spricht einer der letzten “Muttersprachler” ein Gedicht.

  • Sprachbeispiel: Lies diesen Brief und denk über seine Bedeutung nach: Ochunuz bu bitkini da esinizni kojunuz jachsy neckikti anlnmah
  • Anzahl der Sprecher: 50 in Litauen, 6 in der westlichen Ukraine
  • UNESCO Status: unmttelbar gefährdet

Gagauz

Gefährdete Sprachen

Recepkoy, Turkey – Wikimedia Commons: Osmancelebi

Dieser bulgarische Dialekt wird von der Türkei bis zur Moldau und von Russland bis zur Ukraine gesprochen. In der bulgarischen Region Ludogrie, auch bekannt als Delioman, gibt es wohl die meisten Sprecher, obwohl man nur schätzen kann: Einige gehen davon aus, dass es noch etwa 100 ältere Sprecher gibt, andere sehen den Dialekt als ausgestorben an. Die Reise in die Region, nach Varna, dauert von der Haupstadt Sofia aus etwa 6-7 Stunden mit dem Zug oder dem Bus – auch ein Flug ist möglich. Die Donau und die wunderbare Natur, die sie umgibt, entlohnen aber jede noch so anstrengende Reise. Geheimtipp: das römische Spa in Varna, das drittgrößte in ganz Europa.

  • Sprachbeispiel: Alle Menschen sind frei und gleich geboren, was ihre Ehre und ihre Rechte betrifft: Insannar hepsi duuêrlar serbest hem birtakım kendi kıymetindä hem haklarında.
  • Anzahl der Sprecher: 100
  • UNESCO Status: unmittelbar gefährdet

Gefährdete Slavische Sprachen

Gefährdete Slavische Sprachen: Moliseslawisch, Kaschubisch

Moliseslawisch

Das Moliseslawische sprechen vielleicht noch 1000 Menschen, hauptsächlich in drei Dörfern in den Abruzzen der Molise, beides Gegenden in Italien – in Montemitro, Acquaviva Collecroce and San Felice del Molise. Als die Ottomanen nach Dalmatien vorstießen, emigrierte eine Gruppe Kroaten ins heutige Italien. Daher ist slawisches und auch kroatisches Kulturgut in der Region durchaus geläufig. Von Neapel oder Rom aus kann man einen Zug nach Campobasso nehmen und von dort aus weiterreisen.

  • Sprachbeispiel: Nicht verfügbar
  • Anzahl der Sprecher: 1000-5000
  • UNESCO Status: stark gefährdet

Romanische Sprachen

Allein Frankreich ist Heimat von 26 verschiedenen romanischen Dialekten. Jakobinische Reformer erklärten zwar im 18. Jahrhundert Französisch zur alleinig souveränen Sprache im Staat – jedoch bringen immer wieder politische Aktivisten das Thema der bedrohten Dialekte aufs Tableau und fordern mehr Aufmerksamkeit für sie. Wenn das tatsächlich eintreten soll, haben sie wohl aber noch einen langen Kampf vor sich.

Oïl Sprachen

Franc-Comptois, Champenois, Lorrain, Gallo, Picardisch, Guernésiais, Jèrriais, Poitevin, Saintongeais

Franc-Comptois

Gefährdete Sprachen

Hunawihr, France – Flickr: alh1

Franc-Comptois, auch bekannt als Jurassisch, wird hauptsächlich im Elsass und Teilen von Frankreich wie der Schweiz gesprochen. Kürzlich erhobene Umfragen ergaben, dass es in Besancon noch etwa 3800 Sprecher geben soll, weniger als fünf Stunden mit dem Auto von Paris entfernt, und zu erreichen über die Autobahnen A5 bzw. A6. Die Zitadelle dort ist anerkanntes UNESCO-Weltkulturerbe und das lokale Museum zeigt die Geschichte der Region und auch der aussterbenden Sprache.

  • Sprachbeispiel: Nicht vorhanden
  • Anzahl der Sprecher: unbekannt
  • UNESCO Status: stark gefährdet

Champenois

Gefährdete Sprachen

Champagne, France – Flickr: Roger Nelson

Champenois wird in der Champagne und in Reims gesprochen und auch in der Wallonie in Belgien, wo es sogar eine geschützte Sprache ist. Diese Mundart ist so bedroht, dass über sie kaum Informationen existieren – die frühesten Aufzeichnungen gehen zurück bis ins 16. Jahrhundert. Der Artikel “Le Bontemps de Carnaval de Chaumont”, 1660 erschienen, zeigt den Kontrast zwischen den Bauern auf, welche Champenois sprachen und dem Adel, der sich des Französischen bediente. As “Bauernsprache” fiel das Champenois wohl danach in Ungnade und Mißkredit.

  • Sprachbeispiel: Nicht vorhanden
  • Anzahl der Sprecher: Unbekannt
  • UNESCO Status: Stark gefährdet

Burgundisch

Burgundisch wird in der Region Bourgogne in Frankreich gesprochen und hatte laut einer Umfrage 1988 noch etwa 50 000 Sprecher. In dieser Mundart beginnt man eine Konversation immer mit bonjôr” oder “salutâs, was so viel bedeutet wie “Hallo” oder “Guten Tag”. In der Stadt Morvan kann man die Sprache noch “live” erleben.

  • Sprachbeispiel: Hallo: “bonjôr” oder “salutâs”
  • Anzahl der Sprecher: 50 000
  • UNESCO Status: stark gefährdet

Lorrain

Gefährdete Sprachen

Bordeaux, France – Flickr: Grand Parc, Bordeaux, France

Lorrain wird in Belgien auch als Gaumais bezeichnet, da es in der Region “La Gaume” dort sehr verbreitet ist. Die inoffizielle Gaumais-Haupstadt Virton liegt jedoch in Luxemburg. Als eine der lokalen Mundarten entwickelte sich Lorrain bereits im 8.Jahrhundert aus dem “Vulgärlatein” – auch die anderen fünf Dialekte spricht man in der Gegend um Brüssel. Wer die Sprache lernen möchte, versucht es doch mal mit einem dieser Workshops oder schaut für weitere Informationen hier vorbei.

  • Sprachbeispiel: Nicht vorhanden
  • Anzahl der Specher: ca. 20 000
  • UNESCO Status: Stark gefährdet

Picardisch

Gefährdete Sprachen

Hardelot, France – Flickr: Guillaume Baviere

Im Norden von Frankreich, namentlich Nord-Pas-de-Calais und der Picardie oder Mons in Belgien ist das Picardische beheimatet. Die picardisch geprägten Stadtbezirke erkennt man leicht an den roten Backsteinhäusern, die mit einem weißen Rand, ebenfalls aus Backstein, akzentuiert werden. Die Mundart entwickelte sich wie das Gaumais aus dem Vulgärlatein, ist aber nicht so stark bedroht. Sie wird zum Beispiel in dem Film “Willkommen bei den Sch’tis” verwendet, dem erfolgreichsten französischen Streifen aller Zeiten – wenn auch, um sich über die Sprecher lustig zu machen – Picardisch galt lange als eine “Arbeitersprache”. Viele sehen die Überlebenschancen als gering an, denn im täglichen Sprachgebrauch wird es kaum noch verwendet – und auch die Produktion zweisprachiger Straßenschilder wurde gestoppt.

  • Sprachbeispiel: Hallo: “Bojour”, “mes gins” oder “Salut ti z’aute”
  • Anzahl der Sprecher: 500 000-700 000
  • UNESCO Status: stark gefährdet

Gallo

Gefährdete Sprachen

Rennes, France – Flickr: Ted Drake

Gallo wird vor allem in der Bretagne in Rennes von schätzungsweise 200 000 bis 400 000 Menschen gesprochen, was immerhin ungefähr 5-10 Prozent aller Menschen in dieser Region wären – andere, weniger optimistische Stimmen fürchten, die Zahl der aktiven Sprecher könnte nur bei 28 000 liegen. Einstmals war Gallo sogar die offizielle Sprache am Hof der Bretagne, doch mit dem Anschluss der Region an Frankreich begann der Bedeutungsverlust. Rennes erreicht man heute am besten über das weitverzweigte Netz an Hochgeschwindigkeitszügen und das dortige “Bretagne Museum” bietet eine Sprachenführung an. Bis 2002 bot sogar die Universität von Rennes noch Gallo-Kurse an, diese wurden jedoch aufgrund von mangelndem Interesse eingestellt. Einige Gymnasien und Grundschulen bieten aber noch Kurse an – in den lokalen Medien ist die Sprache allerdings ebenfalls auf dem Rückzug.

  • Sprachbeispiel: Hallo: Bonghjornu
  • Anahl der Sprecher: 200 000-400 000
  • UNESCO Status: stark gefährdet

Normannische Sprachen

Gefährdete Sprachen

Ferry from St. Helier to Weymouth – Flickr: Robert Linsdell

Jèrriais

Auf den kleinen Kanal-Inseln Jersey und Guernsey werden diese Überbleibsel aus Zeiten der normannischen Eroberungszüge noch gesprochen, allerdings nur von noch etwa 1000 Menschen. Sie erinneren daher stärker an das Französische als jeder andere Dialekt in England. Von Weymouth aus kann man eine Fähre auf die Inseln nehmen, oder mit Condor Ferries Insel-Hopping machen. Mehr über die Sprache erfährst du hier.

  • Sprachbeispiel: Kreuz: Croyais(Jèrriais) und Kérouaïe(Guernésiais)/ Mittwoch: Mêcrédi(Jèrriais) und Méquerdi(Guernésiais)
  • Anzahl der Sprecher: 1327
  • UNESCO Status: unmittelbar gefährdet

Okzitanische Sprachen

Auvergnatisch, Limousinisch, Gariol, Provenzalisch

Auvergnatisch

Gefährdete Sprachen

Auvergne, France – Flickr: Alpha du centaure

Etwa zwei Drittel der Bewohner der Auvergne-Region verstehen die Sprache wohl immer noch, jedoch spricht nur noch ein Fünftel sie fließend. Einst war es die Mundart der zentral-französischen Ritter, heute beherrscht eigentlich nur noch die Großeltern-Generation Auvergnatisch. Von Paris aus fliegt man in weiger als zwei Stunden nach Aurillac, mit dem Auto dauert es etwa 6 Stunden über die A10 und die A71.

  • Sprachbeispiel: Hallo: Bonjorn
  • Anzahl der Sprecher: 1 350 000
  • UNESCO Status: stark gefährdet

Limousinisch

Gefährdete Sprachen

Les Tours de Merles, France – Flickr: “Marie Photo Passion”

Vorwiegend in der Region Limousin beheimatet, aber auch in Charente und der Dordogne sowie in den Bezirken Creuse, Correze und Haute-Vienne. Die Mundart ist älter als das Auvergnatisch. In der Tat ist sogar das erste überlieferte Dokument inokzitanscher Sprache in Limousinisch gehalten. Es datiert zurück ins 10. Jahrhundert, bis zum 16. Jahrhundert war die Mundart offizielle Sprache der Region. Das Limousinisch, das heute gesprochen wird, erinnert stark an das Katalanische. Von Lyon, Clemont-Ferrand und Bordeaux aus kann man die Gegend bequem mit dem Zug erreichen – oder über die Autobahn 89.

  • Sprachbeispiel: Hallo: bonjorn
  • Anzahl der Sprecher: 400 000
  • UNESCO Status: Stark gefährdet

Gardiol

Gefährdete Sprachen

Cosenza Region, Italy – Flickr: Spookymic

In zahlreichen Regionen in Frankreich und Norditalien und auch in Kalabrien wird heute noch Gardiol gesprochen, allerdings beherrschen es nur noch etwa 350 Mensche fließend. In einigen Familien gilt es aber laut einer Studie immer noch als Hauptsprache, so zum Beispiel auch in der Stadt Guardia Piemontese in Kalabrien. Von Rom, Neapel oder Salerno aus erreicht man diese Stadt eifach per Zug.

  • Sprachbeispiel: Wie geht es dir?: Quin hes? oder Cossi fas?
  • Anzahl der Sprecher: 350
  • UNESCO Status: Stark gefährdet

Istro-Rumänisch

Gefährdete Sprachen

Mount Ucka, Croatia – Wikimedia: Luka Jacov

Dieser Dialekt ist angeblich entstanden, als Menschen aus Transsylvanien vor etwa 1000 Jahren in die Stadt Triest in Italien übersiedelten. Heute gibt es in der Region nur noch ein paar hundert Sprecher, weltweit laut Schätzungen aber noch fast 1000. Um die Kinder auch in der Geschichte ihrer Gemeinde zu unterrichten, wird Istro-Rumänisch in Schulen der Region nicht selten auch als zweite Sprache gelehrt.

  • Sprachbeispiel: Bein: picór/Brust: kl’eptu/gut:bire/sein:fi/wurm: g)l’erm
  • Anzahl der Sprecher: 300
  • UNESCO Status: Stark gefährdet

Andere Romanische Sprachen

Corfiot-Italienisch

Urspünglich nur eine Mischung einiger italienischer und venezianischer Wörter, entwickelte sich das Corfiot-Italienisch zu einem eigenen Dialekt, der vor allem von der hohen Anzahl an Albaner und christlichen Griechen beeinflusst wurde, die im Mittelater vor der Pest aus ihrer Hemat flohen. Heutzutage ist die Mundart fast ausgestorben und es gibt nur wenig Hinweise darauf, dass sie überhaupt noch gesprochn wird. Urspünglich stammt sie wohl von der zweitgrößten griechischen Insel Korfu.

Endangered Languages from Corfu

Corfu, Greece – Flickr: Michael Gleave

  • Sprachbeispiel: nicht verfügbar
  • Anzahl der Sprecher: unter 10
  • UNESCO Status: unmittelbar gefährdet
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