Die närrische Zeit ist Anlass für spektakuläre Veranstaltungen auf der ganzen Welt, man denke nur einmal an den Maskenball in Venedig, oder dem Karneval in Rio de Janeiro. Das größte Kostümfest des Jahres steht auch hierzulande vor der Tür und ganz Deutschland damit kopf. Überall in der Republik finden närrische Umzüge, Partys und Straßenfeste statt. Am 11.11. um 11:11 Uhr wird die Karnevalszeit traditionell eingeläutet und endet am Aschermittwoch. Höhepunkt ist in vielen Regionen der Rosenmontag, wenn große Umzüge durch die Stadt ziehen. GoEuro führt euch mit diesem Guide durch die Karnevalszeit und zeigt euch auch Traditionen, Feste und Karnevalsorte, von denen ihr vielleicht noch nichts gehört habt.


Überblick: Geschichte und Herkunft | Karneval, Fasching, Fastnacht – Wo feiert man was? | Karnevals-Hochburgen | 6 tolle Tipps für den Karneval 2016

 

Geschichte und Herkunft: Karneval, Fasching, Fastnacht

Karneval Fasching Fastnacht Geschichte

Bild: Norbert A. Müller

Die ausgelassene Feierei zur fünften Jahreszeit hat gleich drei verschiedene Ursprünge: Ein religiöses Ritual, ein germanisches Fest und eine altrömische Tradition.

Christlicher Ursprung

Im 12. Jahrhundert rief der Papst erstmals die jährliche Fastenzeit aus, die den Verzehr von Fleisch zwischen Aschermittwoch und dem Osterfest verbietet. Der Begriff Karneval geht nicht umsonst zurück auf das Lateinische carne (lat. für „Fleisch“) vale (lat. für „lebe wohl“). Aus Angst vor der Hölle fastete jeder und verzichtete auch auf andere Genüsse wie Alkohol oder Sex. Um sich vor der Fastenzeit noch einmal richtig auszutoben, feierten die Menschen sechs Tage von Weiberfastnacht bis zum Fastnachtsdienstag und frönten alldem, was danach verboten war.

Germanisches Frühlingsfest

Andere Wurzeln des Karnevals liegen in einem traditionellen Frühlingsfest der alten Germanen, die mit einem großen Fest Winterdämonen vertreiben wollten. Zu diesem Zweck trugen die Dorfbewohner gruselige Masken und machten Krach mit Trommeln, sodass die Geister vertrieben wurden. Der katholischen Kirche schmeckte dieser heidnische Brauch im Mittelalter jedoch gar nicht und sie deutete das Fest um: Statt Dämonen wurde nun der Teufel vertrieben und die Leute trugen fortan Teufels-, Hexen- und Tiermasken, die für Sünden standen.

Saturnalienfest der Römer

Die Karnevaltradition geht auch auf das so genannte Saturnalienfest der Römer zurück. Nach dem Motto “Die kleinen Leute übernehmen die Macht” wurden an diesem Tag die Rollen getauscht: Adelige Herren bedienten ihre Sklaven und Diener. Aus dieser Tradition entwickelten sich auch die bekannten Büttenreden – Leute aus dem Volk betreten die Bühne und rechnen ordentlich mit allem ab, was sie stört. Auch die traditionelle Übernahme des Rathauses stammt noch aus den Saturnalienfestlichkeiten. Nach dem Untergang des Römischen Reichs verknüpfte der Papst diesen Brauch mit seinem Fastenfest.

Karneval Fasching Fastnacht

Foto: Dieter Jacobi / KölnTourismus GmbH

Fastnacht, Karneval und Fasching: Was war jetzt nochmal was?

Zum Mitschreiben:

  • Fasching feiert man in Süddeutschland, etwa in Würzburg und München, Niederbayern, Unterfranken, der Oberpfalz sowie in Österreich und Sachsen.
  • Fastnacht heißt es in Tirol, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Oberbayern sowie in der Schweiz, in Luxemburg und Liechtenstein.
  • Karneval ist natürlich die Bezeichnung aus dem Rheinland (Bonn, Köln, Aachen, Düsseldorf) und dem Norden Deutschlands.

 

Karneval Fasching Fastnacht Arena

Foto: LANXESS Arena, Karnevalsparty, @ARENA-Management-GmbH

Karneval, Fastnacht und Fasching werden in Deutschland mit unterschiedlichen Traditionen und auch unterschiedlicher Intensität gefeiert. Während in Köln jährlich alles kopfsteht, schütteln andere vielleicht nur darüber den Kopf und schicken allenfalls ihre Sprösslinge verkleidet in den Kindergarten. Diese unterschiedlichen Traditionen sind unter anderem mit der Religion zu begründen. Mit der Reformation spaltete sich die Kirche in die Katholiken und die Protestanten. Da es in der protestantischen Kirche keine Fastenzeit gibt, gab es auch bald im kirchlichen Sinne keine Notwendigkeit mehr, sich noch einmal ausgiebig an allem Verbotenen zu erfreuen. Unter den katholischen Christen wurde die Missachtung der Fastenzeit weiterhin streng geahndet. So feiern die katholischen Bundesländer auch heute noch tendenziell die wilderen Partys.

Köln, Mainz, Düsseldorf – die Karnevalshochburgen

Karneval Fasching Fastnacht Köln

Foto: Dieter Jacobi / KölnTourismus GmbH

  • Köln: Die Hauptstadt des Karnevals, hier feiern nicht nur die Kölner selbst, sondern auch jede Menge Touristen aus der ganzen Welt. Die Jecken ziehen mit ihrem Ruf “Kölle Alaaf” durch die Straßen. Zudem findet hier der älteste deutsche Karnevalumzug am Rosenmontag statt: Bunte Narren, geschmückte Wagen, Blaskapellen und die Karnevalsgesellschaften hinterlassen tonnenweise Konfetti. Außerdem werden schier Unmengen an Süßigkeiten (Kamelle) und Blumen (Strüßje) an die Narren verteilt.
  • Düsseldorf: Auch in der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen herrscht jährlich Ausnahmezustand und die Stadt steht Kopf. Begrüßt wird sich hier nicht mit “Alaaf”, sondern mit “Helau”. Am Rosenmontag fährt die Parade mit ihren berühmten Motivwagen durch die Straßen, anschließend wird in der Altstadt an der längsten Theke der Welt gefeiert.
  • Mainz: Anders als in Köln und Düsseldorf heißt der Karneval hier Fastnacht. Mainz ist die drittgrößte Karnevalshochburg und lockt jährlich rund 10.000 Teilnehmer und über 500.000 Jecken zum zweitgrößten Umzug Deutschlands. Dieser ist vor allem durch politische Persiflagen und hübsch dekorierte Festwagen geprägt.

Abseits der Massen: 6 tolle Geheimtipps zum Karneval

Klar, die größten Karnevalsumzüge finden in Köln, Düsseldorf und Mainz statt. Über weitere große Umzüge stolpert man zudem unter anderem in Eschweiler, Aachen, Bonn, Koblenz, Krefeld, Leverkusen, Stuttgart, Karlsruhe, Wiesbaden, Trier oder Frankfurt am Main. Und auch die unzähligen Orte und Gemeinden in den Regionen haben ihre eigenen Umzüge, sodass wirklich halb Westdeutschland kopfsteht.
Doch warum nicht einmal unbekannte, spannende und ausgefallene Traditionen und Faschingsfeste entdecken? Wir stellen euch 6 ganz besonders einzigartige Karnevalsfeiern vor, die in diesem Jahr genauso gut einen Besuch wert sein könnten.

Sambakarneval in Bremen

Karneval Fasching Fastnacht Bremen

Bild: Norbert A. Müller

Ein Hauch Rio de Janeiro: Schon zum 31. Mal findet 2016 in Bremen Deutschlands einziger Samba- und Maskenkarneval statt. An diesem Wochenende wird die Hansestadt von Sambistas bevölkert und frönt der Stelzenkunst, berauschenden Tänzen, Maskenspielen und Livekonzerten. Mehr als 100 Sambagruppen aus ganz Europa ziehen durchs Viertel bis zum Ostertor, 30.000 Besucher werden erwartet. Das Karnevalsmotto lautet in diesem Jahr “Die Reise” und präsentiert so auch politische und gesellschaftskritische Themen. Der Umzug steht ganz im Zeichen von fernen Welten und fremden Orten.

  • Wann? 29./30. Januar 2016
  • Motto? Die Reise
  • Tipps? Am 30.1. findet ab 20 Uhr der “Große Bahnhof” Maskenball im Schlachthof statt.

Hexenzunft in Offenburg

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Bild: Gründermasken, Offenburger Hexenzunft e.V.

Die südwestdeutsche Fastnacht wird Fasentszeit genannt und findet nicht ohne die Offenburger Hexen statt, die ihre Rituale auf Besen zelebrieren. Die Hexenzunft wurde 1936 gegründet und ist eine Art Neuerfindung der traditionellen Narrenzünfte. In jedem Jahr gehören zahlreiche Veranstaltungen zur Fasentszeit: Vom Setzen des Hexenbesens vor dem Rathaus über Wochenmärkte mit Hexensouvenirs, einem Kinderumzug, der Aktenvernichtung, dem Tag der Narren bis zum Fasentsausklang mit der Verbrennung einer Strohhexe.

  • Wann? Veranstaltungen der Hexenzunft finden zwischen dem 2161. und 9.2. statt.
  • Motto? Hier dreht sich alles um Hexen, daneben findet man etwa den Teufel, die Alt-Offenburgerin, den Spättlehansele, den Büttel oder auch den Hexefetzer.
  • Tipps? Der Kappeobend der Offenburger Hexenzunft am Samstag, den 6. Februar, beginnt um 19 Uhr mit einem grandiosen Höhenfeuerwerk, danach ist in allen Wirtschaften, Kneipen, Kellern und Zelten in der Innenstadt Musik und Stimmung angesagt. Für 4 Euro erhält man Eintritt in alle Lokalitäten.

Der Narrensprung in Rottweil

Ganz nach alten Traditionen übernimmt die Narrenzunft am Fasnetssonntag das Regiment vor dem Alten Rathaus. Legendär ist jedoch der berühmte Narrensprung, der am Fasnetsmontag (8.2.) um 8 Uhr beginnt und bei die Narren durch das Schwarze Tor strömen. Ein zweiter und dritter Narrensprung finden am Dienstag um 8 Uhr und 11 Uhr statt. Danach stürzt sich die Stadt Rottweil ins illustre Narrentreiben.

  • Wann? 4.2. (Schmotziger Donnerstag) bis 9.2. (Fasnets Dienstag)
  • Motto? Hauptsache närrisch – Figuren wie der Geschell, Biss, Schantle, der Federahannes, Bettelnarren, lange Männer und dicke Weiber treiben ihr Unwesen.
  • Tipps? Am Schmotzigen Donnerstag beginnt die Fasnet. Zu diesem Anlass ziehen verkleidete Jugendliche tagsüber durch die Stadt und abends von Kneipe zu Kneipe – ein Heidenspaß!

Schoduvel in Braunschweig

Auch das närrische Treiben in Braunschweig blickt schon auf 700 Jahre Tradition zurück. Drei Vereine sorgen hier für karnevalistische Veranstaltungen, Büttenabende und Prunksitzungen. Höhepunkt ist der größte Karnevalsumzug in Norddeutschland – der Schoduvel. 6000 Teilnehmer schieben sich mit 50 Spielmannszügen in einer 6,5 km langen Parade durch die Braunschweiger Innenstadt. Angeführt wird der Zug von einer Elefantenskulptur, die an den ersten Umzug vor 700 Jahren erinnert, der von einem echten Elefanten angeführt wurde. Schoduvel ist ein Begriff aus dem Mittelalter und bedeutet Teufel (duvel) verscheuchen (scho).

  • Wann? Ab 7. Februar, 12.40 von dem Europaplatz
  • Motto? “Jetzt erst recht!”
  • Tipps? Am Sonntag, nach dem Schoduvel, findet noch das offizielle Zugparty Aftershow-Event in der Stadthalle Braunschweig statt.

Chinesenfasching in Dietfurt

Karneval Fasching Fastnacht Chinesenfasching

Bild: Kipfenberg Faseneckl, ® Naturpark Altmühltal

Ein Fasching der etwas anderen Art feiert man im fränkischen Dietfurt, auch Bayrisch China genannt: Beim einzigartigen Chinesenfasching regieren die Chinesen unter Kaiser Ko-Houang-Di. Dieses ungewöhnliche Spektakel geht auf einen Kämmerer zurück, der einmal meinte, die Dietfurter würden sich wie “Chinesen hinter ihrer Stadtmauer” verschanzen, um der Steuerschätzung zu entgehen. Am Unsinnigen Donnerstag findet ein Maskenzug statt, der jährlich 20.000 Besucher anlockt. Offiziell eröffnet wird natürlich vor dem Rathaus. Die Traditionsgestalten ziehen maskiert auf dem Marktplatz umher, erschrecken die Leute und verteilen Süßigkeiten.

  • Wann? Am Unsinnigen Donnerstag, dem 4. Februar
  • Motto? Ko-Houang-Di öffnet die Grenz – er gibt seine letzte Audienz!
  • Tipps? Den Abend des Unsinnigen Donnerstag lassen die Dietfurter mit dem traditionellen Hexentanz ausklingen.

Mottopartys in München

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Bild: Tanz der Marktfrauen am Viktualienmarkt, Werner Boehm

München ist nicht unbedingt als die Hochburg des Karnevals bekannt, wohl aber für seinen Ruf als ausgelassene Partystadt. Und diesem Ruf wird die bayrische Hauptstadt an Fasching mit zahlreichen Mottopartys und Faschingsvereinen besonders gerecht. Höhepunkte sind der Tanz der Marktfrauen auf dem Viktualienmarkt, sowie der Faschingsumzug der Damischen Ritter. Dieser endet für die Narren im Hofbräuhaus, wo ganz in bayrischer, feucht-fröhlicher Manier weiter getanzt und gesungen wird.

  • Wann? 7. bis 9. Februar 2015
  • Motto? “München närrisch” vereint Mottos wie Schabernack, Hippie-Fasching, Weiberfasching, Bella Figura, Maskenball oder Carneval in Rio
  • Tipps? Faschingszentren zum Feiern sind das Deutsche Theater und der Bayrische Hof, ebenso wie die Open-Air-Partyzone am Viktualienmarkt

 

Header: Danilo Tic

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