3. März 2014

“Unpacking Travel” ist unser Wochenrückblick auf die Reisewelt. News zur Reise- und Transportbranche, Reiseblogs und die Beiträge der Reiseredaktionen finden hier noch einmal Beachtung. Unser Wochenrückblick bringt etwas Übersicht in die neusten Trends und Ereignisse rund um die Themen “Transport und Reisen”.

Kalenderwoche 10. Zugegeben: Der semi-intellektuelle Individualreisende von heute ist eine der undankbarsten Zielgruppen die diesen Planeten bevölkern. Er ist nicht nur anti-konsum und bewegt sich im Rhythmus der Schildkröte von A nach B, sondern er hat darüber hinaus einen Weg gefunden, die unästhetische Langeweilie in sich selbst aufzulösen und starrt asketisch auf Backsteinwände. Alleine in seinem Hostel-Zimmer sitzend, erfreut er sich an der Stille im Raum.

“Hey Lust auf ne Stadtrundfahrt, wir zeigen dir alle wichtigen Stätten dieser Stadt… kostet 1,50€”  –  “Ja ne danke, ist toll aber ich steh mehr drauf meine Reisedestination beim Joggen zu erkunden… außerdem ist das auch nicht so teuer.”

Ich bin mal Nachts mit zwei anderen in Pisa angekommen, Backpacker-Style, irgendwann nach 5km nachts durch irgendein Industriegebiet kommen wir an einem Campingplatz vorbei und fragen nach was die Nacht kostet… 10€ pro Zelt. Ja ne is lieb aber danke – lieber noch 3km laufen und dann am frisch mit Dung versetzten Feldrand das Zelt aufschlagen. Der Campingplatzbesitzer hat uns mit einer Mischung aus Irritation und Mitleid angeschaut als wir weiterzogen.

Wenn er (also ich und du, man könnte sagen wir, also ihn) dann doch mal dazu gezwungen ist Geld in die Hand zu nehmen, informiert man sich vorher mehrere Stunden wie auch die letzten Pfennige behalten werden können. Markenloyalität ist dieser Zielgruppe genau so fremd geworden, wie den Pinguinen das Fliegen. Diese Gruppe ist im Grunde eine Mutation hin zum Post-Kapitalisten oder sie arbeitet insgeheim an der Kapitalisierung der Idee – diese Frage muss an anderer Stelle vertieft werden. Jedenfalls braucht der hier Beschriebene keinen Komfort und kein Geld, er/sie ernährt sich weder von Pad-Thai noch von Steinpilz-Risotto, sondern in erster Linie eben von der Verwirklichung einer Idee; nämlich dass Reisen günstiger ist als Nicht-Reisen. Man kann für 1200€ ein Round-The-World-Ticket kaufen? Ja aber muss man dafür wirklich Geld ausgeben wenn man Trampen kann und auf Frachtschiffen anheuert? Wichtig ist auch nicht zur schönsten Jahreszeit irgendwohin zu reisen, sondern dann, wenn die Wechselkurse günstig sind. Am Ende sieht das dann so aus wie es Florian Blümm sehr schön erklärt und mit Diagrammen visualisiert. Dabei wird klar wie wenig Geld man braucht wenn man die Ausgaben etwas kontrolliert und nicht zu viel Käsekuchen isst…

Was beschäftigt sonst so die Reisewelt? Dafür haben wir ja hier die Überschrift der Woche um das herauszufinden (mal wieder vom undisputed Champion: Spiegel-Online):

Australien: Verschwundene Riesenmango wieder aufgetaucht

Dazu passend ein Tag vorher schon die Überschrift:

Obst-Denkmal in Australien: Die “Big-Mango” ist verschwunden

Also erstmal finde ich gut wie hier direkt zwei Schlagzeilen aus einem Ereignis gemacht werden. Vorbildliche Ausschlachtung der Verwertungskette. Im ersten Schritt wird mir mitgeteilt das die Welt aus ihren Fugen ist, um dann am Folgetag Entwarnung zu geben. Es ist wieder alles beim Alten. Puh – durchatmen! Wo wir schon bei Nicht-Meldungen sind: ich wurde letzte Woche interviewt… jetzt gibt’s nen super sexy Interview mit mir auf Anidenkt.

Da Reisezitate ja irgendwie nerven und ich die letzten Wochen auf Arbeit ständig irgendwelche Dinge mit der Bohrmaschine konstruieren, dann dekonstruieren und dann rekonstruieren musste –  sollen wir nicht ein bisschen Denkmalpflege betreiben und zwei Aphorismen von Robert Bosch am eben noch weißen Platz platzieren?

“Ich zahle nicht gut, weil ich reich bin, sondern weil ich so viel zahle, bin ich reich”

“Ich möchte lieber Geld verlieren als Vertrauen.”

Der Mann hat Werte und kennt sein Logik 1×1. Wobei immer noch die Frage bleibt ob Korrelation oder Kausalität.

Schaut euch mal diese Augented-Reality Reiseguide-App an. Hat der Bremer Medieninformatik-Student Jan Breier im Rahmen seiner Bachelorarbeit gemacht/konzipiert. Nice!

 

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