Jedes Jahr absolvieren zahlreiche deutsche Studenten ein ERASMUS-Auslandssemester in Großbritannien. Punkten kann Großbritannien vor allem mit seiner abwechslungsreichen Kultur, atemberaubenden Natur und natürlich mit der Weltstadt London. Auch ist für viele sprachlich gesehen der Einstieg in Großbritannien einfacher, als in anderen ERASMUS-Ländern.

Aber was muss man eigentlich bei der Vorberreitung auf ein ERASMUS-Semester beachten und wie wird das Leben in Großbritannien sein? Wir geben Euch in unserem Guide einen kleinen Einblick in die britische Kultur und Lebensweise und versorgen Euch mit Tipps für die Organisation an der Gastuni, wie man am besten an eine Unterkunft kommt, wo man neue Freunde kennen lernt und vieles mehr.

Der Guide gliedert sich in drei Teile:

In British Culture and Customs geht es um einige britische Eigenarten. Lest diesen Teil aufmerksam durch, um nicht sofort als Tourist enttarnt zu werden.

Unter Leben und Lernen in Großbritannien findet Ihr einige Informationen zu organisatorischen Dingen wie Lebenshaltungskosten, Wohnsituation, Krankenversicherung, Bankkonto und Handy. Aber natürlich darf auch der Spaß nicht fehlen, deshalb geben wir Euch hier auch Tipps, wie und wo man am besten neue Leute kennenlernt und was es in Großbritannien noch so zu entdecken gibt.

Wie sieht das britische Hochschulsystem aus? Welche Dinge brauche ich für die Bewerbung auf ein ERASMUS-Semester? Und wie finanziere ich meinen Auslandsaufenthalt? Im dritten Teil, das ERASMUS-Semester organisieren beantworten wir all diese Fragen.

Beliebtes Ziel: Die Tower Bridge in London - GoEuro ERASMUS-Auslandssemester in Großbritannien

Beliebtes Ziel: Die Tower Bridge in London – Flickr: Tony Smith

British Culture and Customs

Großbritannien steht ganz weit vorne auf der Beliebtheitsskala deutscher Studenten, wenn es darum geht während des Studium für einige Zeit ins Ausland zu gehen. Das Land liegt nur einen Katzensprung von Deutschland entfernt und doch gibt es einige kulturelle Unterschiede die uns verwundern – von der britischen Höflichkeit und dem Schlangestehen an Bushaltestellen bis hin zum Phänomen Queen Mum.

  • Höflichkeit
    In Großbritannien wird Höflichkeit groß geschrieben. Nette Gesten wie das Türen-Aufhalten oder das Anstehen ohne zu drängeln sind hier selbstverständlich. Die Briten sparen auch nicht an Höflichkeitsfloskeln. So bedankt man sich beispielsweise auch beim Aussteigen aus dem Bus beim Busfahrer. Also immer schön Please, Sorry, Thank you und Could you be so kind… sagen.
  • Schlangestehen
    Wie eben bereits erwähnt handelt es sich bei den Briten um ein höfliches Völkchen, bei dem im Supermarkt, am Bus oder vor dem Kino nicht gedrängelt wird. Das Schlangestehen ist dabei in Groß Britannien schon fast so etwas wie ein Volkssport.
  • Smalltalk
    Die Briten unterhalten sich gerne. Beim Smalltalk wird weit ausgeholt und am liebsten wird sich ausgiebig über das Wetter unterhalten. Ein paar Themen sind jedoch bei einem Pläuschchen mit einem Briten absolut Tabu. Dazu gehören Politik, Religion, das Königshaus und persönliche Angelegenheiten.
  • Britischer Humor
    Großbritannien ist bekannt für seinen trockenen schwarzen Humor. Dieser zeichnet sich durch Direktheit und Understatement aus und lässt Merkwürdiges ganz alltäglich aussehen. Auch wenn man selber nicht viel mit dem Humor der Briten anfangen kann, einfach mal mitschmunzeln bringt Sympathiepunkte.
  • God save the Queen
    Es gibt nichts, worauf die Briten stolzer sind als auf ihre Queen Mum, wie Queen Elizabeth die Zweite auch liebevoll genannt wird. Sie wird gefeiert und verehrt, ob zu ihrem Geburtstag oder zum Thronjubiläum. Und wehe jemand sagt etwas schlechtes über Her Majesty.
  • Britische Küche
    Hierzulande hat die englische Küche nicht gerade einen guten Ruf. Gebratener Speck und Tomaten, Baked Beans, Hash Browns und weitere fettige Zutaten zum Frühstück muten uns eher gewöhnungsbedürftig an. Und auch können wir uns etwas Angenehmeres als den mit Herz, Leber und Lunge gefüllten Schafsmagen Haggis vorstellen. Aber Großbritannien hat auch seine Köstlichkeiten, wie die weltberühmten Fisch and Chips. Also am besten einfach mal probieren.
  • Teekultur
    Die Briten besitzen eine ausgeprägte Teekultur und das Teetrinken gehört hier zur Lebensart. Tee wird zu jeder Tageszeit getrunken; morgens vor dem Frühstück und sogar Abends als eine Art Abendessen. So haben sich für besondere Anlässe auch zahlreiche Teezeremonien entwickelt. Die Briten unterscheiden zwischen Early Morning Tea, Light Tea, Cream Tea, Afternoon Tea, High Tea, Reception Tea und Royal Tea.
Eine Frage der Herkunft: Erst Butter und dann Marmelade oder doch umgedreht? - GoEuro ERASMUS-Auslandssemester in Großbritannien

Eine Frage der Herkunft: Erst Butter und dann Marmelade oder doch umgedreht? – Flickr: Andy Wasley

Leben und Lernen in Großbritannien

In welcher britischen Stadt man seinen ERASMUS-Auslandssemester absolvieren kann, hängt von den Partnerschaften der eigenen Uni ab. Beliebte Unistädte s ind Nottingham, Aberdeen, Plymouth oder Newcastle.

Lebenshaltungskosten

Die Lebenshaltungskosten in Großbritannien sind generell höher als in Deutschland. Dabei hängt es stark davon ab, wo man sein Auslandssemester bzw. -jahr verbringt. Am teuersten ist es in London, aber auch in Oxford und Cambridge sind die Lebenshaltunsgkosten sehr hoch. Und generell ist es im Norden des Landes etwas günstiger als im Süden. Der Deutsche Akademische Austausch Dienst (DAAD) schätzt die monatlichen Lebenshaltungskosten ohne Studiengebühren zwischen 1.000 und 1.250 Euro pro Monat, in London, Oxford und Cambridge liegen die Kosten sogar bei 1.300 bis 1.500 Euro im Monat.

Unterkunft

Unter Studenten in Großbritannien ist es üblich entweder in einem Wohnheim der Uni zu wohnen, oder sich eine WG zu suchen. Häufig stellen aber auch Privatpersonen Zimmer in ihrem Haus zu Untermiete zur Verfügung. Wie auch bei den Lebenshaltungskosten muss man bei der Miete mit großen preislichen Unterschieden rechnen, je nachdem, wo man sein ERASMUS-Semester verbringt.

  • Wohnen im Wohnheim
    Jede Universitätsstadt in Großbritannien verfügt über mehrere Studentenwohnheime und -unterkünfte, die sogenannten Halls of Residence. Um einen Platz in einem solchen Wohnheim zu bekommen, sollte man sich jedoch frühzeitig bewerben. Die Bewerbung um einen Wohnheimplatz erfolgt direkt bei der Gastuni. In einem Wohnheim lernt man schnell viele neue Leute kennen. Allerdings werden die Wohnheime auch häufig von den Studienanfängern, den sogenannten Freshers, bewohnt, die im Gegensatz zu älteren Semestern noch öfter Party machen. Daher kann es hier manchmal sehr laut werden. Ein weiterer Nachteil der Wohnheime: verbringt man nur ein Semester in Großbritannien, ist es schwer einen Platz in einem solchen Wohnheim zu bekommen, da die Zimmer eher an Studenten vergeben werden, die sich länger hier aufhalten.
  • Wohnen in einer WG
    Eine weitere Möglichkeit ist, sich eine WG zu suchen. Im Gegensatz zu den Studentenwohnheimen, kommt man hier häufig mit britischen Studenten zusammen. Hilfestellung bei der Suche einer geeigneten WG bieten die Accommodation Offices der Unis. Sie haben in der Regel eine ganze Reihe an Approved Accommodations, bei denen man sich sicher sein kann, dass man nicht über’s Ohr gezogen wird. WGs findet man aber auch über Immobilienbüros, die sich auf die Vermittlung von Studentenwohnungen spezialisiert haben, jedoch muss man hier immer mit einer Maklergebühr rechnen.
  • Wohnen bei Privatleuten
    Als letztes bietet sich noch die Möglichkeit bei Privatleuten unterzukommen, die einzelne möblierte Zimmer ihres Hauses untervermieten. Häufig werden gleich mehrere Zimmer in einem Haus einzeln untervermietet und so kann es sein, dass man mit vielen verschiedenen Menschen aller Altersschichten zusammen lebt. Nicht immer bieten sich hier soziale Kontakte mit den Mitbewohner, dafür hat man aber meistens seine Ruhe. Solche Zimmerangebote findet man beispielsweise an den schwarzen Brettern der Unis und von Supermärkten oder auf den Internetportalen spareroom.com, easyroommate.com oder gumtree.com.

Egal für welche Unterkunftsart man sich entscheidet, fast immer muss man sich mindestens um eigens Bettzeug und einige weitere Ausstattungsstücke für das Zimmer oder die Wohnung kümmern. Die Dinge findet man in Großbritannien aber in fast jedem größenen Supermarkt zu recht günstigen Preisen.

Das Albert Dock in Liverpool - GoEuro ERASMUS-Auslandssemester in Großbritannien

Das Albert Dock in Liverpool – Flickr: Beverley Goodwin

Leute kennenlernen

Eine der besten Erfahrungen, die man bei einem ERASMUS-Auslandssemester macht, ist, dass man jede Menge Leute kennenlernt und zahlreiche neue Freundschaften schließt. Eine gute Möglichkeit Leute zu treffen sind die sogenannten Societies. Für jedes nur erdenkliche Interessensgebiet gibt es eine Society, der man sich anschließen kann. So findet man z.B. Societies für Theater, Politik, Kunst und sogar für Parties. Die britischen Studenten treten oft gleich mehreren Socities bei. Auch den verschiedenen Sportclubs der Unis kann man sich anschließen.

Wer darauf aus ist möglichst viele internationale Studenten kennenzulernen, der sollte einer der internationalen Societies beitreten, wer dagegen gerne Kontakt zu britischen Studenten knöpfen möchte, der ist mit den Sportclubs gut beraten.

Der Pub ist eine wichtige Institution in Großbritannien. Wer seine britischen Kommilitonen besser kennenlernen und dazugehören will, für den gehören regelmäßige Pubbesuche zum Pflichtprogramm.

Nachtleben

Natürlich darf bei einem ERASMUS-Auslandssemester auch der Spaß nicht zu kurz kommen. Ob Uniparty, gemütlicher Abend im Pub oder Feiern mit den anderen ERASMUS-Studenten, in britischen Unistädten ist immer etwas los. Zahllose Clubs bieten nicht nur am Wochenende Musik und gute Stimmung.

Besonders die Pubs sind ein wichtiger Bestandteil der britischen Ausgehkultur. Im Pub ist es üblich seine Getränke an der Bar zu bestellen und dann zu seinem Sitzplatz mitzunehmen. Unüblich ist dagegen separat zu bezahlen. Häufig gibt man seinen Tischnachbarn eine Runde Getränke aus. Wer also einmal eingeladen wurde, sollte ebenfalls eine Runde spendieren.

Allwöchentlich veranstalten viele Pubs Abends ein Pub Quiz. Dabei tritt man in Gruppen gegen andere Teams an und muss diverse Fragen zu Sport, Film, Kultur und Allgemeinwissen beantworten. Das Team mit den meisten richtigen Antworten bekommt einen kleinen Preis, oft eine Flasche Wein. Beim Pub Quiz geht es aber keines Falls um das Gewinnen, vielmehr um die Geselligkeit.

Land und Leute entdecken

British Museum in London: Zahlreiche britische Museen bieten kostenlosen Eintritt - GoEuro ERASMUS-Auslandssemester in Großbritannien

British Museum in London: Zahlreiche britische Museen bieten kostenlosen Eintritt – Flickr: Guillermo Viciano

  • Sehenswertes
    Ein ERASMUS-Auslandssemester dient nicht zuletzt auch dazu ein fremdes Land kennenzulernen. In Großbritannien gibt es zahlreiche historische Städte, die es zu entdecken gilt. In seinem Auslandsjahr sollte man versuchen so viele wie möglich davon mitzunehmen. Kulturell geht es nicht nur in London oder Edinburgh zu, auch andere britische Städte überzeugen mit ihren Sehenswürdigkeiten und ihrem Freizeitangebot. Bei einem Wochenendausflug kann man beispielsweise auch die Städte wie York, Oxford, Cambridge, Chester, Brighton, Cardiff, Bournemouth, Salisbury, Bath und Canterbury hervorragend kennenlernen. Eine Vielzahl der Städte liegt außerdem in der Nähe zum Meer, so lässt sich je nach Jahreszeit der Ausflug mit einem Strandaufenthalt verbinden. Eine kulturelle Besonderheit bieten die Museen des Vereinigten Königreichs, denn viele von ihnen sind kostenlos und für jedermann frei zugänglich. Das National Museum of Scotland in Edinburgh, die National Gallery und das Tate Museum in London, das National Railway Museum in York oder das Kelvingrove Art Gallery and Museum in Glasgow sind nur einige wenige, die ihre Pforten öffnen. Auch landschaftlich hat Großbritannien einen großen Abwechslungsreichtum zu bieten: die rollenden Hügel Englands, die schottischen Highlands oder die zerklüfteten Bergketten von Wales. Insgesamt gibt es in Großbritannien 15 Nationalparks. Eine Wanderung oder Fahrradtour bietet eine gute Gelegenheit diese kennenzulernen.
  • Reisen mit dem Bus
    Das Reisen geht in Großbritannien problemlos. Viele Städte sind durch Fernbuslinien miteinander verbunden und von so ziemlich jeder Stadt aus gibt es eine Busverbindung nach London. Die meisten Strecken hat das Busunternehmen National Express im Angebot, außerdem bietet Megabus einige Routen in Großbritannien an. Möchte man während seines Auslandsstudiums viel Reisen, bietet sich der Kauf einer Coachcard von National Express an. Damit erhält man bei jeder Fahrt Vergünstigungen auf den regulären Fahrpreis.
  • Reisen mit dem Zug
    In Großbritannien gibt es auch ein gut ausgebautes Schienennetz. Besonders die Briten bevorzugen die Fahrt mit dem Zug gegenüber einer Busfahrt, da die Züge häufiger fahren und auch ihr Ziel schneller erreichen. Allerdings sind Zugfahrten im Allgemeinen teurer als Busfahrten auf der gleichen Strecke.
  • Tipp: Bei manchen Fahrten mit dem Bus oder dem Zug ist es günstiger gleich zu Beginn ein Return Ticket (Hin- und Rückfahrt) anstatt jeweils zwei Single Tickets (Einzelfahrt) zu kaufen.
Die berühmte Brighton Pier - GoEuro ERASMUS-Auslandssemester in Großbritannien

Die berühmte Brighton Pier – Flickr: Beverley Goodwin

Handy

Für die Zeit des Aufenthalts in Großbritannien lohnt es sich auf jeden Fall eine SIM-Karte für das Handy anzuschaffen. Nicht nur bei der Wohnungssuche zu Beginn, auch später um mit Freunden in Kontakt zu bleiben, erweist sich eine britische SIM-Karte als praktisch. Angeboten werden Prepaid Karten und Einjahresverträge. Einige Prepaid Anbieter bieten sehr günstige Konditionen, mit denen man zum Teil auch preiswert nach Deutschland telefonoieren kann. Wer plant für einen längeren Zeitraum in Großbritannien zu studieren, für den kann sich durchaus ein Jahresvertrag lohnen. Jedoch braucht man für den Abschluss auch ein britisches Konto.

Bankkonto

  • Konto bei einer deutschen Bank
    Einige deutsche Banken bieten Kontoinhabern besondere Konditionen bei der Abhebung von Bargeld im Ausland. So bietet beispielsweise die DKB ein Konto, bei dem man im Ausland überall kostenlos Geld am Geldautomaten abheben kann. Die Deutsche Bank hingegen arbeitet mit der britischen Bank Barcley’s zusammen und ermöglicht kostenlose Bargeldabhebungen an deren Geldautomaten.
  • Konto bei einer britischen Bank
    Bei einem längeren Auslandsaufenthalt in Großbritannien lohnt es sich ein Konto bei einer britischen Bank zu eröffnen. Das geht ziemlich unkompliziert und man ist unabhängig und flexibel beim Geldabheben und Bezahlen im Geschäft oder Restaurant.

Krankenversicherung

Deutschland ist Teil des europäischen Sozialversichersicherungsabkommen, somit ist jeder, der bei einer deutschen Krankenversicherung Mitglied ist auch im EU Ausland abgesichert. Somit ist ein Arztbesuch in Großbritannien während des ERASMUS-Auslandssemester problemlos möglich, sofern man seine Versicherungskarte dabei hat und auf der Rückseite dieser der Vermerk “Europäische Krankenversicherungskarte” steht. Vor der Abreise sollte man aber in jedem Fall nochmal mit seiner Krankenversicherung telefonieren, um abzuklären, welche medizinischen Leistungen abgedeckt sind.

Neben der Absicherung durch die deutsche Krankenkasse ist zudem jeder Student in Großbritannien automatisch beim National Health Service (NHS) versichert. Dabei handelt es sich um eine staatliche Organisation bei der jeder Bürger automatisch versichert ist. Um den Service des NHS in Anspruch zu nehmen, muss man sich jedoch erst bei einem Allgemeinarzt, also einem General Practioner, anmelden. Jede Uni oder Hochschule verfügt auch über ein eigenes Medical Centre. Diese stehen bei Fragen hilfreich zur Seite.

Auch wenn man mit beiden Optionen schon ganz gut versichert ist, sind einige Leistungen damit nicht abgedeckt. Dies trifft vor allem bei längeren Behandlungen bis hin zu einem Rücktransport nach Deutschland zu. Natürlich wünscht sich das niemand für sein ERASMUS-Auslandssemester, aber für den Fall der Fälle sollte man sich überlegen vor der Abreise zusätzlich eine Auslandskrankenversicherung bzw. Unfallversicherung mit Auslandsschutz abzuschließen. Auch über den Abschluss einer privaten Haftpflichtversicherung mit Auslandsschutz sollte man im Vorfeld nachdenken.

Brücken über den Tyne in Newcastle - GoEuro ERASMUS-Auslandssemester in Großbritannien

Brücken über den Tyne in Newcastle – Flickr: Hi I’m Santi

Das ERASMUS-Auslandssemester organisieren

Das britische Hochschulsystem

Im Gegensatz zum deutschen Hochschulsystem gibt es in Großbritannien nur Universitäten. Diese bieten aber sowohl praxisorientierte als auch theorielastige Studiengänge an. Das Studienjahr ist in Großbritannien in Trimester aufgeteilt: der Autumn Term geht von Oktober bis Dezember, der Spring Term von Januar bis März und der Summer Term von April bis Juni. Die Trimester bauen in der Regel aufeinander auf, so dass ein Beginn des ERASMUS-Auslandssemesters nur im September möglich ist.

Do you speak english?

Auch wenn ein ERASMUS-Auslandsaufenthalt dazu dient seine Sprachkenntnisse zu verbessern, geht es auch in Großbritannien nicht ohne ein Mindestmaß an Englischkenntnissen um den Vorlesungen folgen und Prüfungen ablegen zu können. Zudem kann es sein, dass die Partneruni vorab einen Nachweis über die eigenen Englischkenntnisse verlangt. Gänige Sprachtests sind der Test of English as a Forein Language (TOEFL), International English Language Testing System (IELTS) und das Cambridge Certificate. Das benötigt Sprachniveau kann dabei je nach Studienfach variieren.

Den meisten deutschen Studenten fällt es jedoch leicht sich schnell in die neue Sprache einzufinden und sie gewöhnen sich bald daran, Konversationen nur noch auf Englisch zu führen. In den Vorlesungen wird außerdem überwiegend British English gesprochen, also so, wie wir es hierzulande auch meist in der Schule lernen.

Wer dennoch vor seinem ERASMUS-Auslandssemester seine Englischkenntnisse auffrischen möchte, wendet sich am besten an das Sprachenzentrum der eigenen Hochschule, aber auch die Partnerunis in Großbritannien bieten vor Semesterbeginn spezielle Sprachkurse für ERASMUS-Studenten an.

Bewerbung um das ERASMUS-Stipendium

Um für ein ERASMUS-Auslandssemester in Frage zu kommen, muss man sich zunächst um einen Platz an einer der Partneruniversitäten bewerben, mit denen die eigene Uni zusammenarbeitet. Informationen zu den Partnerschaften mit britischen Hochschulen bietet das ERASMUS-Büro der Heimatuni. Hier steht man auch mit Rat und Tat zur Seite und gibt Antworten auf alle Fragen. Hat man sich nun für eine Uni entschieden, geht die Bewerbung ebenfalls an das ERASMUS-Büro.

Zur Bewerbung gehören auf jeden Fall der Lebenslauf, ein Motivationsschreiben, ein Nachweis über die Studienleistungen, sowie ein Nachweis über die eigenen Englisch-Kenntnisse. Häufig wird auch ein Empfehlungsschreiben eines Professors verlangt. Besonderes Augenmerk sollte aber auf das Motivationsschreiben gelegt werden, denn damit schildert man die eigene Motivation: warum möchte man nach Großrbritannien gehen, welche Ziele verfolgt man mit dem Auslandsaufenthalt, was qualifiziert einen dafür und warum hat man sich für diese Uni entschieden. Um die Bewerbung sollte man sich frühzeitig kümmern, um keine Fristen zu versäumen. Es ist ratsam bereits ein Jahr vor dem eigentlichen Auslandsaufenthalt mit der Planung zu beginnen. Über die genauen Fristen informiert das hochschuleigene ERASMUS-Büro.

Nominierung und Anmeldung an der Partneruniversität

Hat man von der Heimatuni einen Studienplatz in Großbritannien zugeteilt bekommen, nominiert diese einen auch automatisch an der gewünschten Partneruni. Parallel dazu muss man sich aber selber auch noch an der Partnerhochschule anmelden. Je nach Universität ist das Anmeldungsverfahren unterschiedlich. Bei manchen Universitäten muss man sich noch einmal schriftlich bewerben, bei anderen wiederum reicht die Online-Einschreibung über das Internet.

Wichtige Dokumente

Hat man einen Studienplatz im ERASMUS-Programm von der Heimatuni zugewiesen bekommen, geht es nun an die Bewerbung um die ERASMUS-Förderung. Um die finanzielle Förderung und die Annerkennung der Studienleistungen an der Partneruni zu gewährleisten, gilt es jedoch den Papierkram zu bewältigen. Zahlreiche Formulare müssen vor, während und nach dem ERASMUS-Auslandssemester ausgefüllt werden. Davon sollte man sich aber nicht unterkriegen lassen. Und wenn man mal nicht weiter weiß, hilft auch hier das ERASMUS-Büro.

  • Learning Agreement
    Beim Learning Agreement handelt es sich um einen Studienvertrag. Er wird zwischen der Heimatuni, der Gastuni und dem Studenten abgeschlossen und beinhaltet die zu besuchenden Lehrveranstaltungen und die Anerkennung der in Großbritannien erworbenen Studienleistungen.
  • Certificate of Arrival
    Bei Ankunft in Großbritannien wird das Certificate of Arrival von der Partneruni ausgestellt. Es wird von der britischen Uni unterschrieben an die deutsche Hochschule geschickt und bestätigt die Ankunft des Studenten in Großbritannien.
  • Letter of Confirmation oder Certificate of Departue
    Der Letter of Confirmation bzw. das Certificate of Departue wird am Ende des ERASMUS-Aufenthalts ausgestellt und bestätigt, dass der Student sein Studienjahr an der britischen Uni absolviert hat. Nach Rückkehr wird es der deutschen Hocschule vorgelegt.
  • Transcript of Record
    Im Transcript of Record werden alle Studienleistungen aufgelistet, die man während seines ERASMUS-Auslandssemesters erbracht hat. Anders als in anderen am ERASMUS-Programm teilnehmenden Ländern werden die Studienleistungen in Großbritannien mit dem Credit Accumulation and Transfer Scheme (CATS) und nicht mit dem European Credit Transfer System (ECTS) berechnet. Für die Umrechnung der in Großbritannien erbrachten Studienleistung ergibt sich folgendes: zwei CATS-Punkte ergeben einen ECTS-Punkt.
  • Erfahrungsbericht
    Alle deutschen Universitäten verlangen nach einem oder mehreren Auslandssemestern einen persönlichen Erfahrungsbericht des Studenten. Zusätzlich muss nach Abschluss des Auslandsaufenthalts ein Multiple-Choice-Erfahrungsbericht für die EU-Kommission ausgefüllt werden. Beide berichte werden bei der Heimatuni eingereicht.
Der Stadtteil Old Aberdeen ist ein beliebter Treffpunkt bei Studenten - GoEuro ERASMUS-Auslandssemester in Großbritannien

Der Stadtteil Old Aberdeen ist ein beliebter Treffpunkt bei Studenten – Flickr: Gordon Robertson

Urlaubssemester

Bevor es mit ERASMUS zum Studium nach Großbritannien geht, gilt es zu überlegen, ob man an der eigenen Uni ein bzw. zwei Urlaubssemester einlegt. Dabei wird das Studium sozusagen angehalten und man steigt nach dem ERASMUS wieder in dem Semester ein, wo man aufgehört hat. In diesem Zeitraum müssen an der Heimatuni dann auch keine Studien- und Prüfungsleistungen erbracht werden. Über die Notwendigkeit eines Urlaubssemesters sollte man vorab mit dem Studiengangskoordinator sprechen. Für die Beantragung des Urlaubssemester beim Studiensekretariat benötigt man das entsprechende Antragsformular, sowie die ERASMUS-Bestätigung.

Finanzierung

„Und wer soll das alles bezahlen?“. Da die Lebenshaltungskosten in Großbritannien höher als in Deutschland sind, stellt sich diese Frage auch für deutsche Studenten, die hier ihren Auslandsaufenthalt planen. Zum Glück gibt es verschiedene Möglichkeiten der Finanzierung, die auf unterschiedliche Bedürfnisse zugeschnitten sind. Die Angebote, die am häufigsten in Anspruch genommen werden, sind das ErasmusPlus-Programm, Stipendien des DAAD und Auslands-BAföG. Außerdem bietet auch Großbritannien als Gastland finanzielle Unterstützung für “incoming students“ an.

ErasmusPlus

Viele von euch werden im Vorfeld eures Studiums schon einmal den Begriff „Erasmus“ gehört und sich gefragt haben, was er bedeutet. Mittlerweile heißt das Förderprogramm für Austauschstudenten ErasmusPlus. An diesem Programm nehmen mittlerweile 33 Länder in und um Europa teil. Doch wie kommt man zu einer Erasmus-Förderung? Eine genaue Beschreibung der Kriterien gibt es zum Beispiel im Artikel „ErasmusPlus: Wer wird eigentlich gefördert?“ von Studybees. Wenn ihr diese erfüllt und eure Hochschule am ErasmusPlus-Programm teilnimmt, steht dem Auslandsaufenthalt nichts mehr im Wege. Allerdings werden sich die Modalitäten der ErasmusPlus-Förderung im Vereinigten Königreich mit dem bevorstehenden Brexit wahrscheinlich ändern. Deswegen ist es sicherlich nicht verkehrt, wenn ihr Euch auch über andere Möglichkeiten der Finanzierung informiert.

DAAD

Der Deutsche Akademische Austauschdienst ist die weltweit größte Förderorganisation für den internationalen Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern. Zum einen bietet der DAAD selbst Stipendienprogramme an, zum anderen bietet die Webseite des DAAD das umfassendste Informationsangebot zum Thema Auslandsaufenthalte. Dort findet ihr neben den Fördermöglichkeiten auch Länderinformationen und Linklisten sowie viele nützliche Tipps zu Themen wie Auslandsstudium, Auslandspraktikum, Sprachenlernen etc.

Informationen zum Stipendienangebot des DAAD – insbesondere sind hier die Jahresstipendien interessant – findet ihr am schnellsten über die DAAD Stipendiendatenbank. Hier gebt ihr nur eure „Koordinaten“ ein, die Suchmaschine gibt dann alle in Frage kommenden Möglichkeiten aus. Dort werden Euch auch Stipendien anderer Organisationen angezeigt.

Auslands-BAföG

Auch gesetzliche Förderungen wie BAföG können unter Umständen euer Auslandsstudium finanziell unterstützen, selbst wenn ihr in Deutschland keines beziehen könnt. Der Grund sind höhere Kosten durch den Auslandsaufenthalt, welche in Großbritannien durchaus gegeben sind. Bezieht ihr bereits Inlands-BAföG, könnt ihr es jedoch nicht einfach mit ins Ausland nehmen. Für das Auslands-BAföG sind spezielle kommunale Ämter zuständig.

Generell wird die Auslandsausbildung außerhalb der EU oder der Schweiz höchstens ein Jahr lang bzw. bei besonderen Gründen bis zu zweieinhalb Jahre gefördert. Dabei müssen die Studienleistungen im Ausland zumindest teilweise auf die Inlandsausbildung anrechenbar sein. Der Mindestzeitraum, den man für einen Aufenthalt im Ausland einplanen sollte, beträgt sechs Monate bzw. ein Semester, für ein Praktikum oder Studium im Rahmen einer Hochschulkooperation zwölf Wochen. Stets erforderlich sind ausreichende Kenntnisse der Unterrichts- und Landessprache.

Spartipps

Auch wenn ihr euch eine Förderung oder sogar ein Stipendium ergattern könnt, heißt das leider noch nicht, dass ihr euch in Großbritannien denselben Lebensstandard leisten könnt wie Zuhause. Das liegt vor allem an den hohen Mietpreisen für Studenten. Ein paar Tipps, wie ihr trotzdem während eures Auslandsaufenthalts sparen könnt, so dass ihr nicht vollkommen pleite zurückkommt, wollen wir euch nun näherbringen.

Reisen und Verkehrsmittel

Was die An- und Abreise angeht, ist es ratsam, sich frühzeitig Gedanken zu machen. Am besten fangt ihr an, Flugpreise zu vergleichen, sobald ihr eure Zusage für ein Studium in Großbritannien habt. Die Fluggesellschaft Ryanair bietet günstige Flüge nach London und in viele andere größere Städte an.

Wenn ihr gelandet seid, stellt sich zunächst einmal die Frage, wie ihr vom Flughafen an eure Endstation kommt. Hier bietet es sich an, das gut ausgebauten Fernbusnetz von National Express zu nutzen. Das größte Busunternehmen Großbritanniens bietet günstige Fahrten und einen hohen Reisekomfort. Verbindungen und Preise vergleichen sowie Tickets buchen könnt ihr bei GoEuro.

Was die alltägliche Fortbewegung angeht, gibt es ebenfalls Möglichkeiten, Geld einzusparen. Wenn die Strecke, dir ihr zu Uni zurücklegen müsst, etwas länger ist, empfiehlt es sich, nach Mietfahrrädern Ausschau zu halten. Beispielsweise gibt es in London Fahrrad-Stationen von Santander Cycles, die man für nur 2 Pfund am Tag mieten kann. Jede Einzelfahrt unter 30 Minuten ist dann kostenlos.

Lebensmittel

Wer sparen will, sollte auch beim Einkauf von Lebensmitteln einige Grundregeln beachten. Zum einen ist es ratsam, Viertel zu meiden, in denen sich viele Touristen aufhalten. Die Geschäfte und Restaurants in diesen Gegenden liegen preislich in der Regel weit über dem Durchschnitt. In der Regel empfiehlt es sich beim auswärts essen, sich euren britischen Kommilitonen anzuschließen, da sie diejenigen sind, die die besten Restaurants und Kneipen mit studentenfreundlichen Preisen kennen. Die günstigsten britischen Discounter sind Tesco und Morrisons. Des Weiteren sind auch die preiswerten deutschen Discounter Aldi und Lidl mittlerweile in den britischen Markt eingestiegen und machen den lokalen Märkten stark Konkurrenz.

Wohnung

Was die Miete für euer Studentenzimmer angeht, werdet ihr euch auf einen wesentlich höheren Preis pro Quadratmeter einstellen müssen. Jedoch gibt es auch hier Alternativen, die günstiger sind als andere. Ein Zimmer im Wohnheim ist in vielen Studentenstädten die teuerste Variante. Privat vermietete Wohngemeinschaften sind meist die günstigste. Außerdem vermieten viele Hausbesitzer in Großbritannien Zimmer, die sie nicht nutzen, an Studenten. Für solche Zimmer liegt die Miete im mittleren bis teuren Bereich.

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