Regelmäßig stellen wir euch hier reizvolle Orte in Deutschland vor, die etwas abseits der üblichen Reiserouten liegen, trotzdem aber mit dem Zug, Bus oder Auto einfach zu erreichen sind.

Südöstlich von Berlin, etwa auf halber Strecke nach Dresden, erstreckt sich eine in Europa einzigartige Fluss- und Auenlandschaft – der Spreewald. Auf einem Gebiet von 2.600 Quadratkilometern, einer Fläche etwa so groß wie das Bundesland Saarland, verzweigt sich die Spree in hunderte kleinere und größere Flussläufe, auch Fließe genannt. Der Sage nach entstand diese Fließlandschaft, als der Teufel mit seinen schwarzen Ochsen das Feld pflügen wollte. Da diese nicht so recht wollten, schmiss der Teufel seine Mütze nach den Ochsen, woraufhin die Tiere kreuz und quer über die Felder liefen und tiefe Furchen hinterließen, die sich später mit Wasser füllten.

Spreewald

Paddeltour über die Fließe im Hochwald – Foto: Archiv Tourismusverband Spreewald/GLC AG – www.spreewald.de

Einst schlängelten sich die so entstandenen Wasserläufe hier durch dichten Urwald. Aber schon im 6. Jahrhundert siedelten sich slawische Stämme – die Sorben und Wenden – in der heute als Lausitz bekannten Region an und machten den Spreewald urbar. Mit ihnen kamen weitere Sagen von Wassermännern, Mittagsfrauen, Gelddrachen, Irrlichtern und Waldelfen, in denen die sorbisch-wendische Kultur und Geschichte zum Ausdruck kamen. Heute sind die Sorben und Wenden eine von nur wenigen Minderheiten, die sich in Deutschland behauptet haben. Geblieben sind zahlreiche Bräuche, die Kultur und Lebensweise sowie die Sprache, die den Spreewald und die Menschen, die hier Leben noch heute prägen. So sind beispielsweise auch die Ortsschilder zweisprachig: aus Lübbenau wird Lubnjow, aus Burg wird Borkowy, aus Luckau wird Łukow, aus Schlepzig wird Slopišća, aus Cottbus wird Chóśebuz und aus Lübben wird Lubin.

Im Spreewald spielt sich das Leben auf und rund um das Wasser ab. Mit den Jahren bauten die Bewohner des Spreewaldes die Fließe, ähnlich wie in Venedig, zu Kanälen aus. Von dem 1.575 km langen Netz aus Wasserläufen sind rund 276 km ausgebaut und mit größeren Kähnen schiffbar. Häuser wurden direkt an die Fließe gebaut, Straßen gab es kaum. Der Transport von Waren und Menschen fand über Wasser statt, für Fußgänger baute man Holzbrücken um die Fließe trockenen Fußes zu überqueren. Heute werden sie vor allem von Ausflugskähnen befahren. Ein paar Besonderheiten sind aber erhalten geblieben: in dem Dorf Lehde wird vom Frühjahr bis zum Herbst die Post über den Wasserweg ausgetragen. In den Farben gelb und schwarz angemalt, fährt hier der einzige Zustellungskahn der Deutschen Post. Postbotin samt Kahn sind ein beliebtes Fotomotiv für Schnappschüsse aus dem Spreewald. Ein weiteres beliebtes Fotomotiv ist die Lehder Müllabfuhr, selbstverständlich ebenfalls auf dem Wasserweg. Dabei legt der Kahn am Tag etwa 15 km zurück.

Kahnfahrt und Paddelboot

Kahn- und Paddeltour im Spreewald – Foto: Archiv Tourismusverband Spreewald/GLC AG – www.spreewald.de

Beliebteste Aktivität bei einem Ausflug in den Spreewald ist eine Fahrt mit dem Spreewaldkahn durch die verwunschene Auenlandschaft. Kahnfahrten gibt es in allen nur erdenklichen Ausführungen: individuell oder in der Gruppe, als Frühstücksfahrt zum Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, mit Grill- oder Gurkenverkostung, als Spaßfahrten oder als Wellnesskahnfahrt im Liegen; die Möglichkeiten sind schier endlos. Dabei verlangt das Führen des Kahns den Kahnführern einiges an Geschick ab. Mit einem langen Paddel, dem sogenannten Rudel, stacken sie die Spreewaldkähne über die Fließe. Kahnfahrten starten unter anderem in Schlepzig, Lübbenau und Burg im Spreewald.

Wer lieber selbst Aktiv wird, leiht sich am besten ein Kanu oder Paddelboot aus und erkundet den Spreewald auf eigene Faust. Dann geht es abseits der großen Kanäle durch ursprüngliche Fließe, dichte märchenhafte Wälder und idyllische Siedlungen. Allzuleicht kann man sich in dieser traumhaften Umgebung verlieren. Um trotzdem den Überblick zu behalten, hilft der Spreekapitän bei der Planung der Paddelroute.

Nicht selten trifft man bei seinen Paddeltouren auch auf heimische Tiere, die hier im Spreewald, welcher seit 1991 als UNESCO Biosphärenreservat geschützt ist, leben. In Deutschland und Europa seltene Tierarten wie der Eisvogel, Fischotter, Fisch- und Seeadler, Weißstorch und Biber sind hier anzutreffen. Um diese seltene Artenvielfalt zu schützen, hat das Biosphärenreservat Spreewald einige Verhaltensregeln für Erkundungen auf eigene Faust aufgestellt.

Auch für kulinarische Gelüste hat der Spreewald etwas zu bieten. Von hier stammen die (welt-)berühmten Spreewälder Gurken. Sie werden auf den feuchten, humusreichen Böden des Spreewaldes angebaut, mit vielen Gewürzen schmackhaft eingelegt und in ganz Deutschland genüsslich verzehrt. Diese Spezialität, die schon Fontane in seiner “Wanderung durch die Mark Brandenburg” lobte, erlangte nicht nur durch den Film “Good Bye, Lenin!” und den Spreewälder Gurkentag große Bekanntschaft, ihr wurde eigens ein Rundradweg durch den Spreewald gewidmet. 205 km lang und ausgeschildert mit dem Bild einer radfahrenden Gurke, führt der Gurkenradweg entlang der Spree, durch das Biosphärenreservat und durch zahlreiche Ortschaften.

typischen reetgedecktes Haus im Spreewald

typisches spreewälder Reetdachhaus – Foto: Archiv Tourismusverband Spreewald/GLC AG – www.spreewald.de

Auf Grund seiner geographischen Lage ist der Spreewald besonders bei Großstädtern aus den Städten Berlin und Dresden ein beliebtes Ziel für Tages- oder Mehrtagesausflüge. Die Region bietet sowohl Entspannungs- und Erholungssuchenden eine große Auswahl an Aktivitäten, aber auch Sportbegeisterte und Familien mit Kindern kommen hier auf ihre Kosten, z.B bei einem Abstecher zu Europas größter, künstlicher Tropen-Urlaubswelt, dem ältesten Freilandmuseum Brandenburgs in Lehde, der Slawenburg Raddusch oder dem Schwimmen mit Pinguinen im Spreewelten Bad.

Einfach und unkompliziert erreicht man den Spreewald mit dem Zug. Die Züge der Ostdeutschen Eisenbahngesellchaft halten in Lübben, Lübbenau, Vetschau, Cottbus und Raddusch. Von Berlin aus fahren die Züge einmal in der Stunde durch den Spreewald nach Cottbus. Mit dem Auto erreicht man die Region über die A13 und die A15.

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