Apulien, der Südosten Italiens. Vom Sporn bis zum Absatz über 800 Kilometer Küste, inklusive Stränden, die zu den schönsten Italiens zählen. Der südlichste Zipfel der Region Apulien, auf der Landkarte rasch als Absatz des italienischen Stiefels auszumachen, ist unter dem Namen Salento bekannt.

Dort, wo die staatliche Eisenbahngesellschaft von Italien (Ferrovie dello Stato Italiano, FS) endet, beginnt in Apulien das Schienennetz der Ferrovie del Sud Est (FSE), die Eisenbahn des Südosten.

poggiardo_bahn

Präsentiert sich das Schienennetz der FSE in der Provinz Bari und Taranto weitgehend im Standard des dritten Jahrtausends, wird es im Salento, im Süden Apuliens, richtig spannend. Bahnübergänge, deren Schranken von Hand geschlossen werden und manuelle Weichenstellung – dies ist bis heute im tiefen Südosten eher die Regel als die Ausnahme. Aber die Züge fahren, meist sogar pünktlich, und vor allem durch eine wunderschöne Landschaft. Man bekommt Aussichten auf den äußersten Südosten Italiens geboten, die einem vom Auto oft verborgen bleiben.

Von Maglie nach Otranto

Mit maximal 50 Stundenkilometer bewegen sich die zwei Wagons gemächlich die verbliebenen 19 km von Maglie nach Otranto, die östlichste Stadt Italiens. Ohne Zweifel, eine der schönsten Routen des gesamten Streckennetzes der Ferrovie del Sud Est. Eisenbahnfans kommen auf ihre Kosten: Die Strecke wurde 1872 eröffnet und die Zeit scheint tatsächlich vor 141 Jahren stehen geblieben zu sein.

Von Maglie kommend, sind es nur wenige Kilometer bis zum ersten Halt „Bagnolo“. Wer aus dem Fenster schaut, kann den Bahnhofswärter dabei beobachten, wie er von Hand die Weichen für den Zug stellt. Der Ausflug in die Geschichte der Eisenbahn ist im Fahrpreis inbegriffen.

bahnhof_bagnolo

fse_maglie_otranto

Die Fahrt geht durch wunderschöne Olivenhaine. Wer noch Zweifel daran gehegt, dass Apulien die Region Italiens mit den meisten Olivenbäumen ist, wird spätestens jetzt überzeugt werden. Wer im Herbst unterwegs ist, kann mit etwas Glück vom Zug aus bei der Olivenernte zuschauen.

Olivenbäume bis zum Horizont. Und dort, wo die Olivenbäume enden, beginnt bereits das Meer, die Straße von Otranto, wo die Adria auf das Ionische Meer trifft.

olivenhain_otranto_maglie_fse

endstation_otranto

Die Hafenstadt lohnt einen längeren Aufenthalt. Die Sandstrände im Norden, aber auch die pittoreske Felsküste im Süden Otrantos ziehen im Sommer zahlreiche italienische Touristen an. Nicht nur Sonnenanbeter, sondern auch Kulturinteressierte kommen auf ihre Kosten: Die Kreuzkuppelkirche San Pietro, die Kathedrale Santa Maria Annunziata mit dem einmaligen Fußbodenmosaik oder das Castello Aragonese sind nur einige der Sehenswürdigkeiten des historischen Zentrums.

otranto_hafen_oktober

Von Poggiardo über Zollino nach Gallipoli

Poggiardo, eine Kleinstadt im Süden Apuliens mit barocken Kirchen, messapischen Ausgrabungen und Grottenkirchen mit byzantinischen Fresken. Auch hier präsentiert sich der Bahnhof im Retrolook. Interessierten wir gerne die manuelle Weichenstellung erklärt.

poggiardo_weichen_manuell

Die Fahrt geht von Poggiardo nach Zollino, ein kleiner Verkehrsknotenpunkt des südöstlichen Schienenverkehrs. Hier treffen sich die Strecken Gagliano del Capo – Zollino und Lecce – Gallipoli.

zollino

Zollino gehört zu den neun Dörfern der Grecìa Salentina im Herzen des Salento. Man sprach traditionell weder Italienisch, noch den Dialekt des südlichen Apuliens, sondern Griko, eine eigenständige Sprache mit griechischen Elementen, aber in lateinischen Buchstaben geschrieben. Vom Süden Apuliens ist es nicht mehr weit bis nach Hellas.

Auf der Strecke nach Gallipoli verkehren schon oft, wenn auch nicht immer, neue Züge mit Klimaanlage und anderen Annehmlichkeiten.

Die Fahrt führt über Soleto, Galatina, Nardò, Sanicola direkt nach Gallipoli, die schöne Stadt am Ionischen Meer.

Auch dieses Mal geht die Fahrt oft durch Olivenhaine. Immer wieder tauchen Pajare (Sg. Pajaru) auf. Es handelt sich um Steingebäude, die ohne Mörtel errichtet wurden. Den berühmten Trulli nicht unähnlich, bestimmen sie, mit den unzähligen Olivenbäumen und Trockensteinmauern, das Landschaftsbild im Salento.

landschaft_zollino_gallipoli

oliven_gallipoli

moewe_gallipoli

Gallipoli „die schöne Stadt“ am Ionische Meer ist erreicht. Nur wenige Gehminuten sind es vom Bahnhof bis zum Hafen. Zur Mittagsstunde sind die Fischer noch damit beschäftigt ihre Netze zu flicken. Möwen kreisen über ihnen. Und selbst im Oktober badet so manch einer noch unterhalb der Stadtmauer. Eine schöne Endstation für eine Fahrt mit der Eisenbahn im Südosten Italiens.

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedIn