Interview mit Eva von whereEVAimayroam

Heute im Interview zu Gast, Eva von whereEVAimayroam. Sie gibt uns Tipps um auf einer Interrailreise ideal vorbereitet zu sein. Zeigt uns die Grazer Kaffeekultur und lässt mich mit einer Mischung aus Heim- und Fernweh zurück. 

Tipps für die Interrail Tour

Griaß di Eva!

Ich freu mich ja ganz besonders dich heut vorzustellen, da es mir bis jetzt noch nicht so oft passiert ist, dass ich mich mit Landsmänninnen unterhalten kann. Keine Sprachbarrieren, der Jänner ist der Jänner und wenn ich heuer sag kommt auch direkt ne Antwort! Juchhe!

Gleich mal die wichtigste Frage vorweg, ich fahr bald nach Graz und da du ja eine geheime Expertin in der Stadt bist wollt ich aus erster Hand erfahren: Guter Kaffee, wo find ich den in der Stadt? Gibt es eine Kaffeespezialität die man auf keinen Fall auslassen sollte?

Haha da bist du bei mir an der richtigen Adresse!!!

Ich empfehle dir das TriBeKa direkt an der Mur beim Kunsthaus  mit schönem Blick auf den Uhrturm, dort findest du den besten Kaffee in Graz.

Wenn du aber eine richtig geniale Aussicht AUF den Schlossberg und die Herrengasse samt Hauptplatz haben möchtest empfehle ich dir wage dich auf die Dachterrasse des Kaufhauses Kastner & Öhler ins Café Freiblick.

Wenn du aber AUF die Stadt schauen willst dann rauf mit dir auf den Schlossberg und such´ dir eins der Lokale aus – wie gut der Kaffee da oben ist kann ich leider nicht sagen, aber die Cocktails im aiola UPSTAIRS die knallen!

Interrail Tour nach Graz - ein Geheim-Tipp

Also zuerst Kaffee im TriBeKa und dann ab auf den Schlossberg zum Cocktail schlürfen! Alles klar!

Aber jetzt zu dir und deinen Reiseberichten! Du studierst ja eigentlich in Graz Rechtswissenschaften, wie kommst das du nebenbei noch Zeit hast quer durch die Weltgeschichte zu reisen?

Jaja die lieben Studenten haben es gut 😀 Ne mal ernsthaft mein Studium ist sehr fachprüfungsbasiert, man legt also über einen ganzen Bereich der ReWi wie z.B. das ganze Zivil- oder Strafrecht auf einmal eine Prüfung ab. Es gibt zwar noch ein paar kleinere Kurse aber die Zeit die, ich an der Uni anwesend sein muss, ist relativ gering. Wenn du dann noch gerne im Selbststudium alles erlernst wie ich hast du natürlich genug Möglichkeiten dir die Zeit einzuteilen und auf Reisen zu gehen.

Das klingt nach einer idealen Kombination! Für die Zukunft, kannst du dir vorstellen in den nächsten Jahren deinen Reiseblog auszubauen und ständig zu reisen oder liegt dein Fokus auf den richterlichen Roben?

Bei dem Gedanken meinen Reiseblog auszubauen und davon auch leben zu können lacht mein Herz und funkeln meine Augen!! Ich werde es definitiv versuchen und mein Bestes geben, um meinen Traum zu verwirklichen.

Ich hab mit Funkeln in den Augen darüber gelesen, dass du auch über deine Interrailtour in Nordeuropa schreibst! Wir haben ja auch ein recht reisefreundliches Zielpublikum, da muss ich nachhaken, wo ging es denn hin bei dir? 

Zuerst einmal, leider hatte ich damals nur begrenzt Zeit (3 Wochen), daher sparte ich mir gleich mal die „Anreise“ und bin von Wien direkt nach Stockholm geflogen. Von dort ging es weiter nach Norwegen, um genauer zu sein Oslo. Die Gegend zwischen Oslo und Bergen und von Bergen mit dem Flieger weiter nach Kopenhagen. Dort angekommen bin ich über Hamburg weiter nach Amsterdam, die letzte Station war dann Brüssel von wo ich wieder nach Hause geflogen bin.

Tipps Interrail Tour Vorbereitung

Wow, das ist ja ein ganz schön dichtes Programm für 3 Wochen! Interrail Tickets und die richtige Zugwahl können aufgrund der ganzen Ausnahmen ja ganze Bücher füllen…. Wie hast du deine Route geplant?  Gib uns mal ein paar Tipps für eine Interrail Tour

Ich stellte zuerst einmal eine In-Etwa-Route zusammen – was sich „da oben“ ja quasi von alleine ergab. Danach recherchierte ich verdammt umständlich die Zugverbindungen auf der Seite der ÖBB und dann nochmal auf der Seite der Deutschen Bahn. Ich muss zwar sagen die Angaben stimmten teilweise sogar bis aufs Bahngleis, aber so umständlich wie das war bin ich froh, dass es inzwischen Suchmaschinen wie GoEuro gibt. Ich machte leider die schlechte Erfahrung, dass Züge wie der Nachtzug Kopenhagen-Amsterdam anscheinend schon sehr lange im Vorhinein ausgebucht sind, daher musste ich auch über Hamburg ausweichen, was mich einen ganzen Tag meiner Reise kostete.

Hast du einen Spezial-Tipp für uns um die Routenplanung bei der Interrail Tour zu vereinfachen?

Mein Spezial-Tipp für eine Interrail Tour: „Zentraleuropa“ ist für jeden Zugfahrer ein Traum, im Norden kommt man dann schon irgendwann an die geographischen Grenzen, wie bei mir in Bergen, bevor ich dann wieder umständlich zurück nach Oslo fahren muss würde ich jedem empfehlen notfalls auch mal auf den Flieger umzusteigen. Ansonsten bin ich ja ein riesen Fan von Nachtzügen, ich würde beim nächsten Mal bewusst mehr Nachtzüge nehmen, spart eine Nächtigung und lässt dir mehr Zeit fürs Sightseeing, aber auch hier immer schön auf ein gutes Mittelmaß achten, nur in Nachtzügen würde ich auch nicht reisen, irgendwann ist man kaputt und will nur mehr schlafen und nichts mehr anschauen.

Aber zwischendurch ist noch niemand an einer kurzen oder ungemütlichen Nacht gestorben und der Adrenalin-Kick, den man hat wenn man in einer neuen Stadt ankommt macht das definitiv wieder weg und ich kann hier auch ganz ehrlich sagen bis jetzt war ich persönlich überrascht wie angenehm Nachtzugfahrten dann doch immer wieder sind.

Interrail Tour Ticket

Ja die Erfahrung hab ich mit Nachtzügen auch schon gemacht, vor allem mit wenig Zeit ist es eine gute Möglichkeit mehr zu sehen! Abgesehen von der Routenplanung, wie hast du dich denn auf diese Reise vorbereitet? Was waren deine 5 absoluten Must – Haves für die Reise? 

Ich hab´ in Foren und den (damals noch wenigen) Reiseblogs herumgestöbert, mit ganz besonderem Augenmerk auf Packlisten.

Geendet hat das dann mit fast 20 kg am Rücken – WAS ICH NIE MEHR MACHEN WÜRDE!!! Aber mir besonders wichtig waren damals Socken und Unterwäsche für 3 Wochen, eine Regenjacke, eine Haube (Thema Bad Hair Day), feste Schuhe und eine gute Kamera

Hat sich das verändert nachdem du wieder hier angekommen bist?

Ich würde nie mehr in meinem ganzen Leben so viel einpacken!!!

Mit der Zeit hab ich mich zwar an das Gewicht gewöhnt aber es ist absolut unnötig sich so abzuschleppen!! Ich hab langsam eine Packliste kultiviert, die sich für jedes Reiseziel und jede Aktivität mit wenigen Kleinigkeiten optimieren lässt.

Für mich reichen und zwar EGAL wie lange die Reise dauert 4 T-Shirts, 2 Tops, 2 Spaghettiträger Tops, ein leichter Pulli, ein Jeans/Stoffhose, eine lange Leggings, eine Jogginghose, eine dreiviertel Leggings, eine kurze Jeansshort, eine „schöne“ Short (bevorzugt mit Glitzer – wir Damen wollen ja abends auch was hermachen), ein einfaches Kleid, Flip Flops und einmal leichte Sportschuhe, dazu einen größeren Schal UND DAS WARS.

Wenns in die Kälte gehen soll dann pack ich noch eine Fleece-Jacke ein, eine Thermoleggings, eine Feinstrumpfhose, Kniestrümpfe und eine Haube ein. Mehr braucht man nicht. Denn 1. Schleppt man den Rucksack beim Interrailen meistens mit und ist froh wenn der kleiner und leichter ausfällt und 2. Ist es ehrlich gesagt auch ein richtig gutes Gefühl nur mit so wenig auszukommen und so „frei“ zu sein. Und 3. Kann man sich im Notfall überall alles kaufen 😀

Das bringt mich gleich zu dem Thema, Kosten auf Reisen sind schnell aus den Augen verloren, was waren die größten Kosten auf deiner Interrail Reise? 

Das waren definitiv die Nächtigungen – ich war damals mit meinem Freund unterwegs und noch abgeschreckt vom Gedanken in einem Schlafsaal zu pennen – was wie ich inzwischen weiß absoluter Blödsinn ist – es gibt kaum einen größeren Sparfaktor auf Reisen als Schlafsäle.

Wie hast du dir dein Geld eingeteilt?

Mein Budget teil ich mir frei nach dem Motto ein: Wie viel hab ich, Wie viele Tage bin ich unterwegs? Dann noch 300-500€ für extra Aktivitäten abziehen, dann die Summe in ein Tagesbudget aufteilen, eine Hälfte kommt in eine große Geldbörse mit den Karten etc. die andere Hälfte hab ich in einem kleinen Börserl meist in der Hand oder eingesteckt, das ist praktisch beim Bezahlen von den alltäglichen Sachen wie Essen, Öffis und Co., ist sicherer und man lebt erstaunlicherweise sparsamer – „Mist die Hälfte schon weg“ 😀

Aber gerade anfangs sollte man da nicht so streng mit sich sein, es dauert immer ein bisschen bis man ein Gefühl für sein Budget bekommt, aber ich rate jedem immer gerade bei großen Ausgaben am Beginn einer Reise/an einer neuen Destination seid mal etwas zurückhaltender nach ein zwei Tagen habt ihr das Preisniveau im Kopf wisst was Touriabzocken sind und wo ihr billiges Essen findet

Da das Interrailen bei einem Großteil sicher gleich ablaufen wird wie bei mir – erste „große“ Reise, unterschiedliches Preisniveau von Land zu Land, unterwegs auf eine bestimmte Zeit, aber doch kein so ganz genauer Plan wie (lange)/was/wohin würde ich jeden empfehlen versucht vorher etwas über das Preisniveau der Länder, die ihr ziemlich sicher bereisen werdet herauszufinden, schätzt das Geld ab, dass ihr noch in etwa brauchen werdet, seid dabei ein bisschen großzügiger und wird es euch gleich um einiges wohler sein beim Budget-Planen.

Und notfalls macht es wie ich im teuren Schweden/Norwegen als das Budget für 3 Tage für eine megatolle Inselrundfahrt draufging – lebt mal eine Zeit nur von Keksen und Bananen – gehört zum Abenteuer Interrailen dazu!!

Interrail Tipp: Schweden Tour

Inselrundfahrt vor Essen, find ich super! Was war deine Erfahrung, wo sollte man auf keinen Fall sparen?

Viele würden hier sagen an der Reiseversicherung, das muss jeder für sich selbst wissen, ich hatte bis jetzt immer Glück *auf Holz klopf*, dass mir nie was passierte. Aber generell bin ich innerhalb Europas ohne zusätzliche Versicherung unterwegs, wobei ich aber sagen muss, dass ich einen Schutzbrief eines Automobilclubs habe, der alles abdeckt, Wer aber außerhalb Europas unterwegs ist sollte hier sicher nicht sparen.

Ansonsten würde ich niemals beim Rucksack/Daypack sparen.

Ein anständiger Trekkingrucksack ist eine Investition, die sich definitiv lohnen wird, probiert aus, überlegt vorher gut, was für eine Art ihr braucht (Top- oder Frontlader), wie viele Liter er fassen sollte (hier haltet euch aber zurück für die meisten Reisen reichen 40-50Liter Packvolumen) und das Allerwichtigste lasst euch beraten und zwar in einem richtigen Outdoorgeschäft. Die Beratungen in Geschäften wie Intersport und Co. hab´ ich schon gefressen, kaum Auswahl, die Eigenmarken werden natürlich zuerst angepriesen und halten selten das was sie versprechen und die Mitarbeiter kennen sich meist nicht aus.

Klar der Preis für einen richtig guten Rucksack schreckt schnell mal ab. Meiner kostete mich zum Beispiel knapp 200€ – Packmaß 60+10L. Jetzt hab´ ich ihn schon 6 Jahre, er war überall dabei. Ich passte aber auch nicht wirklich auf ihn auf, sprich auf den Boden donnern, draufsetzen, mitschleifen, er hat Regengüsse überlebt, Sandstürme, Dreck, Hitze, Kälte und meine Nähnadel weil ich drauf stehe mir Patches draufzuhauen – und TROTZDEM ist er (nach einem Waschgang) immer noch quasi wie neu. Keine Fäden die irgendwo rausschauen, Reißverschluss funktioniert ohne Probleme, das Tragesystem und der Schaumstoff sitzen noch immer wie am 1. Tag – das „viele“ Geld ausgeben hat sich in meinem Fall also definitiv gelohnt.

Als Abschluss noch die Frage, würdest du dich nochmal  auf Interrail Tour wagen?

JA AUF JEDEN FALL DOCH!!!

Haha OK – und wohin würdest du reisen?

Buh wohin – auf meiner Bucketlist steht ja „einfach mal ohne Ziel und Verstand mit einem Interrail-Ticket in der Hand losfahren“ ich würde 70 Cent bis zur ungarischen Grenze zahlen und danach vielleicht in Richtung Osten? Norden? Süden? Westen? Wer weiß 😉

Dank dir für das Interview und die spannenden Tipps!

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