23. April 2014

“Unpacking Travel” ist unser Wochenrückblick auf die Reisewelt. News zur Reise- und Transportbranche, Reiseblogs und die Beiträge der Reiseredaktionen finden hier noch einmal Beachtung. Unser Wochenrückblick bringt etwas Übersicht in die neusten Trends und Ereignisse rund um die Themen “Transport und Reisen”.

Kalenderwoche 17. Grenzgänger sind Menschen die über Grenzen gehen, an Grenzen entlang oder über Grenzen hinweg. Damit stellt man natürlich auch die Frage was da eigentlich voneinander abgegrenzt wird. Dabei sind die geographischen Grenzen und die Bewusstseinsgrenzen irgendwie miteinander verbunden. Das hat Erik in einem Artikel auf Reisedepeschen reflektiert reflektiert.  Aber auch auf mikroskopischerer Ebene gibt es Grenzgänger – und dabei macht man sich nicht immer beliebt. In Venedig zum Beispiel soll es bald eine Insel geben, die Touristen nicht betreten dürfen. Da kommen also die Europäer ohne Grenzen nach Venedig, und dann fangen die Venezianer an, überfordert von den Touristenströmen, neue Grenzen aufzubauen. Das ist irgendwie verständlich, aber auch Schade. Nachhilfe können sie sich da in Berlin holen. #Venice doesn’t <3 U! Ist aber komisch wenn alle sich so sehr für Flüchtlinge einsetzten und wenn Studenten und Yuppies Zuflucht im hippen Berlin suchen, werden sie dafür verurteilt. Dabei gäbe es ja Alternativen. Zum Beispiel Florentin in Tel Aviv oder das nette Hypezig. Und dann gibt es da den Tumblr “Hypezig – Bitte bleibt doch in Berlin”. Irgendwie schaffen es die Leute also immer wieder Grenzen aufzubauen um sich zu vergewissern, dass sie irgendwo zugehörig sind. Und offensichtlich ist das Zugehörigkeitsgefühl irgendwo anti-proportional zur Menge der Zugehörigen. Deshalb verwässern die blöden Neuankömmlinge in Berlin auch meine Identität und das ist ja ein existenzielles Problem wenn Identitäten bröckeln. Da kommen dann die “früher war alles besser”-Hasstriaden her. Aber es gibt auch kulturelle Hürden, die aus der jeweiligen Sozialisierung entstanden sind und tiefer greifen. Zum Beispiel musste Hanna in Argentinien erfahren, wie schwer es ist jemandem der in Südamerika aufwächst zu erklären, dass Nazis ein besonders sensibles Thema sind. Da gibt es dann kulturelle Grenzen, die man nicht so einfach abreißen kann, sondern die sich langsam abtragen müssen. Wenn man Geduldig ist, kann man solche Begegnungen natürlich als Chance begreifen, einerseits seinen Standpunkt zu kommunizieren, aber andererseits auch eine neue Perspektive auf sein eigenes Denken zu gewinnen. Deshalb sind Grenzgänger wichtig. Sie gehen los und inspizieren die Beschaffenheit der Mauern und gucken was ist vor und was hinter dem Wall. Die Schwierigeit ist ja meisten, dass man wenn man auf der einen Seite steht nicht mehr sieht was auf der anderen gerade passiert. Und überhaupt ist Beobachtung ein heikles Thema. Deshalb sind die waren Grenzgänger auf den Grenzen und balancieren auf dem schmalen Grenzzaun entlang. Doch wer da so langspaziert, muss sich ja in erster Linie auf sich selbst konzentrieren und kann dann nicht mehr die Peripherie beobachten, den Blick auf die eigenen Füsschen konzentriert, bleibt nur noch die Intro-Retro-Spektion zur Reflektion. Ob da was bei rum kommt? Endgültige Antworten auf die Großen Fragen wird es hier und jetzt nicht geben können.

Die Andamanen haben kein Problem mit der Grenzgängerflut. Dafür sind sie zu abgelegen gelegen.

Bei Interesse zur weiterführenden Lektüre, gibt es hier einen ganz netten Aufsatz zum Thema Selbst, Identität, Raumbezug.

Zitat der Woche aus einem Reisebericht “Die Entdeckung des Wartens” von Markus Steiner:

Das englische Wort für Reisen, travel, und das französische Wort für Arbeit, travail, haben identische Wurzeln. Reisen ist Arbeit. Reisen ist die Mühsal, die etwas bewegt. Reisen ist Bewegung.

Markus Steiner, reisedepeschen.de

Was passiert im Transportsektor? Berlin baut Grenzen für Radfahrer ab – jedenfalls ein bisschen. Man versucht sich an dem Vorbild Kopenhagen und installiert eine erste Grüne Welle für Radler. Überhaupt ist das Transportwesen am Grenzabbau interessiert wie es scheint. BerlinLinienBus baut das Streckennetz aus und fährt ab jetzt unter anderem auch Bratislava von Berlin aus an. Und zum krönenden Abschluss: Spiegel Online hat die Überschrift der Woche gesponsort:

Studentenurlaub mit Pappschild: “Richtung Süden”

Ja ist klar. Aber alternative Studenten haben jetzt kein Exklusivrecht aufs Trampen. Das dürfen schon noch alle machen. Da geht es schon wieder los mit den stereotypen Grenzdenken. Manchmal trampen die Hippies übrigens auch Richtung Norden. Und  um nochmal auf das Thema “Grenzen überwinden” zurückzukommen: “Im Dunkeln gerät man leichter an die Falschen: an Männer, die grapschen wollen, oder an Diebe, die den Trampern das Wenige klauen, was sie dabeihaben.”… Fingerchen weg Jungs und nicht rumgrapschen – auch wenn ihr nur spielen wollt, kommt das einfach nicht cool. Aber: “Nicht alle Klischees werden bedient…” 🙂

 

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